Blutharnen (Hämaturie) nennt man denjenigen krankhaften Zustand, bei welchem flüssiges oder geronnenes, meist mit Urin mehr oder weniger vermischtes Blut aus der Harnröhre entleert wird. Die Quelle der Blutung kann in den Nieren, den Harnleitern, der Blase oder der Harnröhre liegen. Ru den beiden ersten Fällen ist das Blut in der egel innig mit dem Urin vermischt, sodaß derselbe gleichmäßig rot erscheint, während bei Blasenblutungen häufig größere Klumpen und Blutgerinsel, meist unter Blasenbeschwerden, entleert werden. B. entsteht bald durch mechan. Verletzungen der Nieren und der Blase, wie durch starke Erschütterungen des Körpers, durch scharfkantige Nieren- und Blasensteine, durch scharfe Instrumente, z. B. bei der Steinzertrümmerung u. s. w., bald durch den zufälligen oder absichtlichen Gebrauch gewisser Mittel, welche einen hohen Reizzustand der Nieren- und Blasenschleimhaut herbeifuhren, wie der Kanthariden, des Terpentinöls u. a., bald durch gevon chronischem Katarrh, Krebs oder Tuberkulose, endlich bisweilen dur leichte Zerreißlichkeit der Gefäße bei rankheit, Skorbut, Bluterkrankheit, Typhus u. s. w. In den Tropen (Agypten, Innerafrika, Kap der Guten Hoffnung) kommt auch eine endemische Form der Hämaturie vor, bedingt durch einen kleinen, im menschlichen Körper schmarotzenden Saugwurm, Distoma haematobium, der seine Eier in den Harnwegen ablegt und dadurch Gefäßverstopfungen, kapillare Blutungen und Geschwüre der Schleimhaut erzeugt. Selten bringt das B. augenblickliche Gefahr, ist aber zuweilen ein sehr hartnäckiges Leiden, welches allmählich die Kräfte des Kranken erschöpft. Die Behandlung, welche sich nach der Grundursache richten muß, besteht bei stärkern Blutungen in ruhiger horizontaler Lagerung, milder Diät, Eiswasserumschlagen auf den Leib, unter Umständen Einspritzun-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. h von kaltem Wasser in die Blase und der innerichen Darreichung adstringierender Mittel.