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GeschichteBrockhaus 1882

Harrach, eins der ältesten Geschlechter Osterreichs, welches 1616 in den Grafenstand, 1627 in Karl von H., dem Liebling Kaiser Ferdinands II. in den Reichsgrafenstand hoben wurde und, jedoch nur als Personalist, Sitz auf der schwäb. Grafenbank erhielt, weshalb ihm auch 1841 durch die kaiserl. Hofkanzlei der Titel Erlaucht zuerkannt worden ist. — Der älteste Sohn des Grafen Karl, Ernst Albrecht von H., geb. 4. Nov. 1598, gest. 25. Okt. 1667, war Kardinal und Erzbischof, erst zu Prag, dann zu Trient, und machte sich in der Geschichte der böhm. Unruhen bekannt. Von seinen Brüdern stiftete der ältere, Karl Leonhard, die Linie Rohrau, der jüngere, Otto Aimie Dei die Linie zu Bruck (an der Leitha). Der Linie Bruck, die unter ihren Gliedern mehrere ausgezeichnete Persönlichkeiten zählt, gehört an Ferdinand Bonaventura von H., geb. 14. Juli 1637, gest. 15. Juni 1706, der sich als Gesandter am span. Hofe zur Eus des Erbfolgestreits vergebens bemühte, die uccession der österr. Linie des Hauses Habsburg durchzusetzen und Mémoires et négociations secrètesv (2 Bde., Haag 1720) hinterließ. (Vgl. Goedeke, WPolitik Osterreichs in der span. Erbfolgefrage 5, 1. u. 2. Bd., mit H.s Depeschen, Lpz. 1877.) — Der eine seiner Söhne, Franz Anton von H., geb. 4. Okt. 1665, wurde 1709 Erzbischof von Salzburg, resignierte aber 25 bald und starb 18. Juli 1727; ein anderer, Johann Joseph Philipp von H., geb. 22. Okt. 1678, wurde 1723 Generalfeldmarschall, später Präsident des Hofkriegsrats und starb 8. Aug. 1764. Der dritte Sohn, Aloys Ludwig Thomas Raymund von H., geb. 7. März 1669, trat als Gesandter an des Vaters Stelle, richtete jedoch noch weniger als dieser aus und verließ Madrid im Jan. 1701. Er wurde 1728 Vizekönig von Neapel, 1733 Konferenzminister und starb 7. Nov. 1742. Ein Urenkel des letztgenannten war der Graf Karl Borromäus von H., geb. 11. Mai 1761. Derselbe widmete sich zu Wien dem Studium der Rechte und nebenbei der Heilkunde, und erregte durch seinen lebhaften Geist namentlich die Aufmerksamkeit Josephs II. Nach dieses Kaisers Tode legte er sein Amt als Regierungsrat in Prag nieder und ging auf Reisen, um sich ganz seinem Lieblingsfache, der Arzneiwissenschaft, zu widmen. Nachdem er die mediz. Doktorwürde erlangt, übte er 25 Jahre lang in Wien unentgeltlich die Heilkunde aus und war ein Freund und Tröster aller Dürftigen. Angezogen von seinen Kenntnissen, seiner freisinigen Denkart und seinem kaustischen Witze, fanden alle berühmten Reisenden und Gelehrten in seinem Hause eine gastliche Aufnahme. Er starb zu Wien 19. Okt. 1829. — Sein älterer Bruder, Graf Johann Nepomuk Ernst von H., eb. 17. Mai 1756, gest. 11. April 1829, seit 1779 egierungsrat, seit 1785 Wirkl. Reichshofrat unter Kaiser Joseph, machte sich als Freund von Kunst und Wissenschaft, sowie als Förderer der Linnen- und Eisenindustrie auf seinen Gütern verdient. Ein jüngerer der Brüder, Graf Ernst Christoph von H. (gest. 14. Dez. 1838), war der Vater des eitherigen Hauptes der Brucker Linie, des Grafen ranz Ernst von H., welcher 13. Dez. 1799 geboren wurde, seit 1861 Oberst-Erblandstallmeister in Osterreich ob und unter der Enns und erblicher Reichsrat, sowie wiederholt Mitglied des böhm. Landtags war, zur Partei des oppositionellen Feudaladels gehörte und 26. Febr. 1884 in Nizza starb. — Sein ältester Sohn, Graf Franz Nepomuk, geb. 2. Nov. 1828, gegenwärtiges Haupt der jüngern (Brucker) Linie, ist ein eifriger Anhänger er Czechen. — Graf Ferdinand von H., der jüngste der Brüder des Karl Borromäus, geb. 17. März 1763, vermählte sich 1795 mit Christiane, geb. Freiin I (gest. 1830), und 1833 zum zweiten mal mit Marianne Sauermann (geb. 15. Dez. 1800, gest. 23. Aug. 1879). Derselbe hielt sich früher in Meißen auf und lebte später in Dresden, wo er 5. Dez. 1841 starb. Seine Tochter erster EChe, Gräfin Auguste von H., geb. 30. Aug. 1800, lernte in Teplitz der König von Preußen, Friedrich Wilhelm III., kennen, der sie zur Fürstin von Liegnitz erhob und sich zu Charlottenburg 9. Nov. 1824 morganatisch mit ihr vermählte. Später wurde ihr auch die Würde einer Gräfin von Hohenzollern verliehen. Sie starb 5. Juni 1873 zu Homburg. Ein Neffe derselben, Graf ape von H. (s. d.), geb. 27. Febr. 1832, t sich als Maler rühmlichst bekannt gemacht. — etziges Haupt der ältern (Rohrauer) Linie des Hauses ist Graf Anton von H., geb. 16. Juni 1815, Erblandstallmeister im Erzherzogtum Ssterreich.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 861Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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