FeedHarvey (William)
HeilkundeBrockhaus 1882

Harvey (William), einer der berühmtesten engl. Arzte, welcher durch die Entdeckung des Blutkreislaufs und durch seine Untersuchungen des Tiereies als der Begründer der neuern Physiologie bezeichnet werden darf, geb. 1. April 1578 zu Folkstone, besuchte die Schule zu Canterbury und studierte in Cambridge Medizin; 1598 ging er nach Padua, wo er unter Fabricius ab Aquapendente Anatomie trieb und 1602 die mediz. Doktorwürde erhielt. Nach England zurückgekehrt, erwarb er alsbald zu London den Ruf eines ausgezeichneten Arztes. Er wurde in das mediz. Kollegium aufgenommen, als Armenarzt am Bartholomäushospital angestellt und 1615 zum Professor der Anatomie ernannt. Als solcher lehrte er schon 1619 seine neue Theorie des Blutkreislaufs (s. Kreislauf des Blutes), welche er aber 1628, nachdem er sie durch zahlreiche Vivisektionen geprüft hatte, durch den Druck bekannt machte. Karl J. ernannte ihn 1630 zu seinem Leibarzt, als welcher er den König während des Bürgerkriegs stets begleitete. Nach der übergabe von Oxford kehrte er nach London zurück und lebte hier den Wissenschaften, bis er 3. Juni 1658 auf seinem Landgute zu Hampstead starb. Sein Denkmal zu Folkestone wurde 6. Aug. 1881 enthüllt. Seine Schrift De motu cordis et sanguiniso (Frankf. 1628), in der er zuerst seine Entdeckung des Blutkreislaufs veröffentlichte, erregte ungemeines Aufsehen und erweckte ihm eine Menge Gegner. H. antwortete nur dem J. Riolan in Paris in der Abhandlung «De circulatione sanguinis ad Riolanum (Cambridge 1649; Par. 1650), indem er das Urteil über die Wahrheit seiner Entdeckung der Nachwelt überließ. Er selbst erlebte noch den Triumph, daß 1652 einer seiner heftigsten Gegner, Plempius in Löwen, durch eigene Forschungen überzeugt, sich öffentlich zu seiner Lehre bekannte. Vorbereitet war H.s große Entdeckung durch Servets Entdeckung des Lungenkreislaufs und durch die Kenntnis der Venenklappen. Ferner wandte H. seine Aufmerksamkeit der Lehre von der Zeugung zu. Sein physiol. Prinzip „Omne animal ex ovos und seine Schrift De generatione animalium „ (Lond. 1651), welche die bis dahin geltende Annahme einer generatio aequioca auf engere Grenzen zurückfuührten, war die Frucht umfassender Untersuchungen am bebrüteten Ei und an trächtigen Hindinnen, welche ihm sein königl. Beschützer aus dem Windsorpark verabfolgen ließ. Seine 4Opera omnia v wurden von dem Kollegium der londoner Arzte (Lond. 1766; neue Aufl. 1846) herausgegeben; Albinus gab nur eine Auswahl (Leid. 1737). Vgl. West, «H. and his times (Lond. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 876Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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