FeedHase (Karl August)
ReligionBrockhaus 1882

Hase (Karl August), hervorragender prot. Kirchenhistoriker, geb. 25. Aug. 1800 zu Steinbach in Sachsen, besuchte das Gymnasium zu Altenburg, studierte seit 1819 in Leipzig und, nachdem er wegen seiner Teilnahme an den burschenschaftlichen Bestrebungen von dort verwiesen war, in Erlangen. Im V 1823 habilitierte sich H. als Privatdocent der Theologie an der Universität Tübingen, wurde aber als alter Burschenschafter in eine langwierige Untersuchung verwickelt und 11 Monate lang auf der Festung Hohenasperg festgehalten. Darauf freigelassen, aber zugleich des Landes verwiesen, begab sich H. nach Dresden, später nach Leipzig, wo er sich w1828 nochmals habilitierte und 1829 Professor in der philosoph. Fakultät wurde. Noch in demselben Jahre erhielt er einen Ruf als ord. Professor der Theologie nach Jena und siedelte Ostern 1830 dahin über. In Jena hat H. länger als ein halbes Jahrhundert Dogmatik und Kirchengeschichte (mit Einschluß des Lebens Jesu) vertreten, als akademischer Lehrer und als gelehrter Forscher gleich hoch geehrt. Im Herbst 1883 legte er sein Lehramt nieder; die Regierung ernannte ihn bei diesem Anlaß zum Wirkl. Geheimrat mit dem Titel Excellenz. Das Ziel seines wissenschaftlichen Strebens war gerichtet auf die völlige Versöhnung des historisch gewordenen Christentums und der modernen Bildung. In systematischer Form hat H.seine theol. Anschaungen entwickelt, wissenschaftlich in der Evang. Dogmatik » (Stuttg. 18²⁵; 6. Aufl. 1870), gemeinverständlich in der Gnosis v (3 Bde., Lpz. 1826 — 28; 2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1869—70). Im (Hutterus redivivuso (Lpz. 1827; 12. Aufl. 1883) stellte er die luth. Kirchenlehre aus den vorzugsweise als orthodor geltenden Dogmatikern des 16. und 17. Jahrh. dar und hob ihre Konsequenz gegenüber den neuern Systemen hervor. Als Gegner des Rationalismus bekämpfte er dessen Wortführer Röhr in Weimar in den CTheol. Streitschriftens (Lpz. 1834). H. hat zuerst mit freier Kritik ein «Leben Jesu » geschrieben (Lpz. 1829; 5. Aufl. 1865), in erweiterter Form als „Geschichte Jesup (Lpz. 1875). Seine „«Kirchengeschichtey +2 1834 10. Aufl. 1877) ist in Berzug auf Non e, kraftvolle Darstellung unübertroffen. Von Einzeldarstellungen seien genannt: NPeue Propheteno (Lpz. 1851; 2. Aufl. 1860), Franz von Assisi» (Lpz. 1854), „Geistliche Schau⸗ „spiele v (Lpz. 1858), Catarina von Siena (Lpz. 1862), +HHU kirchengeschichtlichen Inhaltsv (Lpz. 1880). Brennende Zeitfragen behan⸗ „deln «Die beiden Erzbischöfer (Lpz. 1839), Des „Kulturkampfs Ender (Cpz. 1879). Das «Hand1buch der prot. Polemik gegen die röm.⸗kath. Kircher Cpz. 1863; 4. Aufl. 1878) hebt trotz aller Schärfe des Angriffs den christl. Inhalt des Katholizismus mit Verständnis hervor. In der Schrift De jure ecclesiasticoy (Tl. 1—2, Lpz. 1828—34) begann 5. eine Geschichte des Kirchenrechts. Viel gebraucht „wird auch seine Ausgabe der Libri symboliciv (Epz. 1827; 3. Aufl. 1850). H. selbst hat sein Leben bis zur Übersiedelung nach Jena in „Ideale und Irrtümer »(Lpz. 1872; 2. Aufl. 1873) beschrieben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 882Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6