Hasseufratz (Jean Henri), franz. Chemiker, bekannt durch seine Teilnahme an der Französischen Revolution, geb. zu Paris 20. Dez. 1755, kam sehr jung als Schiffsjunge auf einem Kriegsschiffe nach Martinique und beschäftigte sich nach seiner Rückkehr nach Paris mit der Ausübung der Zimmermannskunst. Zu seiner weitern Ausbildung studierte er Mathematik unter Monge. Nachher arbeitete er unter der Leitung des königl. Geographen Bauvin und wurde 1780 Ingenieur-Geograph. Im J. 1783 unternahm er auf Befehl der Regierung eine Reise nach Steiermark und Kärnten, um sich hier Einsicht in die Stahl⸗ und Eisenfabrikation zu verschaffen. Auch bereiste er hierauf Ungarn und einen Teil Deutschlands, um die Praxis des Bergbaues näher kennen zu lernen. Nach seiner Rückkehr stand er dem Laboratorium des berühmten Lavoisier vor. Indessen schloß er sich der Revolution mit Begeisterung an, trat dem Jakobinerklub bei und wurde Mitglied des revolutionären Gemeinderats von Paris. Dadurch, daß die auf den 31. Mai des Nachts beschlossene Verhaftung der Girondisten (sd.) durch seine Vermittelung auf den nächsten ½ verschoben wurde, rettete er vielen Freiheit und Leben. Im J. 1793 übertrug ihm der? kinister Servan die Aufsicht über die Kriegsmunition; 1795 wurde er Professor der Mineralogie an der Bergschule und der Technologie am Kunstlyceum. Großes Verdienst erwarb er sich bei der Reorganisation der Militärschule und bei Begründung der Polytechnischen Schule, an der er als Professor der Physik angestellt wurde. Nichtsdestoweniger unterlag er vielen Anfeindungen, die endlich 24. Mai 1795 die Ausfertigung eines Verhaftsbefehls gegen ihn zur Folge hatten, dem er sich aber durch die Flucht in die Ardennen entzog; er wurde jedoch bald darauf wieder zurückgerufen. Im J. 1814 ward H. mit vollem Gehalt pensioniert; unter der Restauration wurde ihm derselbe 1815 indes entzogen. H. starb zu Paris 26. Febr. 1827. „Außer zahlreichen, sämtlich im Journal de physiquen veröffentlichten Abhandlungen über die verschiedensten chem., physik., mineralog., technolog. Gegenstände schrieb er: Ecole d'exercice, ou manuel militaire de l'infanterie, cavalerie et artillerie nationaler (Par. 1790), Catéchisme militaire, ou manuel de garde national (Par. 1790), (6éographie élémentairen (Par. 1792; 5. Aufl. 1809), 4Cours révolutionnaire d'administration militaires (Par. 1794), Tableau de minéêralogie (Par. 1796), KCours de physique célesten (Par. 1803), KTraité de Part de charpentier (Par. 1804), 4Sidérotechnie, ou L'art de traiter les minérais de fer, pour en obtenir de la fonte, du fer et de l'aciero (Par. 1812), Dictionnaire de Physiguen (mit Cassini, Monge und Bertholon, Par. 1816—21).