FeedHaßler (Konrad Dietrich)
ReligionBrockhaus 1882

Haßler (Konrad Dietrich), Archäolog, geb. 18. Mai 1803 zu Altheim im württemb. Oberamt Ulm, studierte in Tübingen und Leipzig Theologie und orient. Sprachen und ging 1824 nach Paris zur Fortsetzung seiner orient. Studien. Hierauf wurde er Pfarrvikar in Degenfeld, später in Lorch. 1826 Lehrer und 1828 Professor am Gymnasium in Ulm. Er war 1844—48 Mitglied der württemb. Ständekammer und wurde dann in das frankfurter Parlament gewählt, trat aber 11. April 1849 aus. H. wurde 1858 Konservator der vaterländischen Kunst- und Altertumsdenkmäler in Württemberg, 1864 Oberstudienrat und 1865 als Professor pensioniert. Er starb 17. April 1873. Außer vielen Abhandlungen über orient. Sprachen und vaterländische Altertümer schrieb er „Ulms Kunstgeschichte im Mittelalter» (Stuttg. 1871). Häßlich. Das Häßliche verhält sich zum Schönen wie das Böse zum Guten, das Falsche und Irrtümliche zum Wahren. Schön (s. d.) ist ein Gegenstand, in dem sich das Sinnliche und Geistige unbedingt durchdringen und miteinander im Gleichewicht stehen. Schön ist z. B. ein Gesicht, dessen Züge physiognomisch bedeutsam sind, das geistigen Äusdruck hat; häßlich dagegen ist es, wenn es eine plumpe Fleischmasse ist, geistlos, rein sinnlich. Das Häßliche ist also da, wo der Widerspruch des Sinnlichen gegen das Ideale sich bis zum Siege des Sinnlichen steigert. Die höchste Steigerung des Häßlichen im natürlichen Dasein ist das Ckelerregende, denn wir haben hier das Gefühl der niedrigsten Sinnlichkeit. Im geistigen Dasein ist es die Gemeinheit des Charakters, die schlaffe, abgespannte Selbstsucht. Sobald dagegen geistiges Leben in das Häßliche hineinleuchtet, kann selbst der Verbrecher und der Lump aus der Häßlichkeit sich erheben und ästhetisch schön werden. König Richard III. von England ist einer der fürchterlichsten Verbrecher und als solcher häßlich; Shakspeare hat ihn aber zu einem großartig tragischen Charakter gemacht, indem die Energie des Willens, mit der si Richard gegen die sittliche Weltordnung auflehnt, die unsittliche Häßlichkeit hebt und durchgeistigt. Ebenso ist Falstaff als Trunkenbold eigentlich häßlich; aber er geht in seiner Liederlichkeit und Wüstheit nicht auf, er ironisiert sie, er treibt sie als selbstbewußte Kunst, und dieses geistige Leben, das mitten durch alle Gemeinheit durchblitzt, gibt ihm seinen ästhetischen Reiz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 891Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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