FeedHauff (Wilh.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hauff (Wilh.), namhafter deutscher Schriftsteller, geb. 29. Nov. 1802 zu Stuttgart, besuchte seit 1816 die Klosterschule zu Blaubeuren und studierte seit 1820 Theologie zu Tübingen. Als Hauslehrer zu Stuttgart eröffnete er seine ach unh568. Laufbahn mit dem Märchenalmanach auf das J. 18265. Dem Stoffe nach zwar meist entlehnt, zeichneten sich diese Märchen doch durch die freie und phantasiereiche Behandlung wie durch die schöne Abrundung der Darstellung höchst vorteilhaft aus, Nuflage sie auch unter dem Titel „Märchenv viele Auflagen erlebten. Auf den Märchenalmanacho folgten die Mitteilungen aus den Memoiren des Satanso (2 Bde., Stuttg. 1827), zwar ein mehr fragmentarisches, aber doch an Phantasie und Darstellungskunst reiches Werk, und der Mann im Mondey (Stuttg. 1827), ein Roman, welcher die Claurensche Manier persiflieren sollte, aber vom Publikum als ein echtes Werk Claurens aufgenommen wurde. Ernstlicher gemeint war die sarkasti⸗ ˙— „Kontroverspredigt über H. Clauren und den ann im Monde, gehalten vor dem deutschen Publikum in der Herbstmesse 18279, worin H. seinem Gegner in der Meinung des Publikums den Todesstoß versetzte. Sein Roman«Lichtensteinv (3 Bde., zuerst Stuttg. 1826), worin bei einiger Breite die Charaktere, besonders die der schwäb. Bauern, gut gezeichnet und die Lokalitäten anschaulich geschildert sind, gehört zu den bessern Romanen, welche in Deutschland nach dem Muster Walter Scotts geschrieben wurden. Seine Phantasien im Bremer Ratskellero (Stuttg. 1827) zeichnen sich durch originelle Erfindung, launige Phantastik und meisterhafte Darstellung aus. Unter seinen vielen kleinern Erzählungen sind besonders die Novellen «Die Bettlerin vom Pont des Artsv und »Das Bild des Kaiserso als kleine Meisterstücke hervorzuheben. Von seinen lyrischen Gedichten sind mehrere zu Volksliedern geworden, z. B. „Steh' ich in finstrer Mitternachtos und «Morgenrot, Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Todv. Nachdem er noch einige Zeit die Redaction des Morgenblatto geführt, starb er 18. Nov. 1827 zu Stuttgart. Sein Denkmal am Hasenberg bei Stuttgart wurde 7. Juli 1882 enthüllt. Seine «Sämtlichen Werkeß wurden von G. Schwab mit einer Biographie H.s herausgegeben (36 Bdchn., Stuttg. 1830) und erschienen dann noch in vielen Auflagen. Vgl. Klaiber, ⸗Wilhelm H. Ein Lebensbild des Dichtersy (Stuttg. 1881). Sein Bruder Hermann H., geb. 22. Aug. 1800 zu Stuttgart, gest. daselbst 16. Aug. 1865, folgte ihm in der Redaction des Morgenblatto und ist Verfasser der Werke Moden und Trachteno (Stuttg. 1841) und «Skizzen aus dem Leben und der Naturv (2 Bde., Stuttg. 1840).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 898Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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