FeedMenzel (Wolfgang)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Menzel (Wolfgang), namhafter Kritiker, Geschichtschreiber und Dichter, geb. 21. Juni 1798 zu Waldenburg in Schlesien, nahm 1815 an dem Feldzug gegen Napoleon teil, wandte sich dann nach Berlin und studierte seit 1818 in Jena und Bonn Philosophie und Geschichte, 1820—22 war er Lehrer in Aarau, privatisierte dann daselbst, ging 1824 nach Heidelberg, 1825 nach Stuttgart, wo er mit Cotta in Verbindung trat, war 1830 —38 Mitglied der württemb. Ständeversammlung, 1848 und 1849 der württemb. Kammer. Litterarisch machte sich M. zuerst bekannt durch „Streckversey (Heidelb. 1823) und durch die mit Troxler, List, L. A. Follen und Mönnich begründeten «Europ. Blättero GZür. 1824 —25), in denen er gegen die hohle Form in der len Kampf führte, zugleich aber eine nüchterne Polemik gegen die Goethesche Schule eröffnete. Hierauf erschien seine «Geschichte der Deutscheno (3 Bde., Zür. 1824-25; 6. Aufl. 1872—73). Durch den polemischen Teil seines Werks «Die deutsche Litteratur (2 Bde., Stuttg. 1828; 2. Aufl., 4 Bde., 1836) rief er heftige Angriffe hervor. Inzwischen blieb er beharrlich auf seiner Bahn und verschaffte sich durch die Umgestaltung des Litteraturblattesy, das er seit 1825 redigierte, ein Organ für seine litterarischen Kämpfe. Nach der Julirevolution trat er immer heftiger dem franz. Einfluß und der denselben unterstützenden Litteratur entgegen, sodaß Börne endlich die Schrift KM. der Franzosenfressere (Par. 1837) wider ihn veröffentlichte. Als Dichter ist M. hauptsächlich durch die beiden Märchen Rübezahly (Stuttg. 1829) und Narcissuso (Stuttg. 1830) bekannt. Später gab er in dem Roman (Furorey (3 Bde., Lpz. 1851) ein lebendiges Gemälde der Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs. Es folgten dann zahlreiche histor. Arbeiten: 4Geschichte Europas 1789 — 18155 (2 Bde., Stuttg. 1853; 2. Aufl. 1866), Geschichte der letzten 40 Jahrey (3. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1865), Der Deutsche Krieg von 186659 (12 Lfgn., Stuttg. 1867), die 4Geschichte des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 18715 (2 Bde., Stuttg. 1871) und andere. Der größere Teil dieser Werke erscheint unter dem Titel «Geschichte der Neuzeito (Stuttg. 1877 fg.) in einer Gesamtausgabe. Außerdem sind von M.s Schriften zu nennen: (Geschichte der deutschen Dichtung von der ältesten bis auf die neueste Zeity (2. Aufl., 3 Bde., Lpz. 1875), Kritik des modernen Zeitbewußtseinsy (2. Aufl., Frankfurt a. M. 1873) und Die vorchristl. Unsterblichkeitsfrages (2 Bde., Lpz. 1869). M. starb 23. April 1873 in Stuttgart. Seine «Denkwürdigkeiteno gab sein Sohn, Karl M., heraus (Bielef. 1877). Aus seinem Nachlasse erschienen noch Machgelassene Novellen» (Bd. 1, 1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 629Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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