FeedHeber
TechnikBrockhaus 1882

Heber (frz. siphon, engl. siphon) nennt man einen Apparat, um mittels des Luftdrucks Flüssigkeiten über ihren Spiegel (Niveau) zu heben. Das bekannteste dieser Instrumente ist der Saugheber. (S. umstehende Fig. 1.) Derselbe besteht aus einer engen, langen Röhre, welche oben und unten offen ist, nahe am obern Ende aber eine birnförmige oder kugelartige Erweiterung hat. Steckt man nun das untere Ende der Röhre in eine Flüssigkeit und verdünnt die im H. befindliche Luft durch Saugen, so wird die äußere atmosphärische Luft die Flüssigkeit in dem H. hinaufdrücken und die Erweiterung desselben auf diese Weise gefüllt werden. Hält man dann die obere offnung des H. geschlossen, so kann man, ohne daß etwas ausfließt, den H. aus der Flüssigkeit nehmen und das Ausgehobene in ein anderes Gefäß bringen. Man kann auf diese Weise, wenn zwei Flüssigkeiten von verschiedenem spezifischen Gewicht in einem Gefäß übereinanderstehen, die untere derselben ausheben, ohne die obere zu beunruhigen. Ahnlich dem Saugheber ist der Stechheber oder Faßheber (Fig. 2), nur ist seine obere Erweiterung so schmal, daß man das ganze Instrument bis unter den Flüssigkeitsspiegel tauchen und so ohne Ansaugen mit der Flüssigkeit füllen kann; sobald dies geschehen ist, behandelt man diesen H. * so wie den Saugheber. Der zweischenkeige gekrümmte Heber besteht aus einer unter einem beliebigen Winkel gebogenen Röhre, welche an beiden Seiten offen ist. Da der Druck der atmosphärischen Luft das Wasser in dem einen Schenkel der Röhre in die Höhe treibt, so darf derselbe beim Gebrauch des H. für Wasser nicht über 10,3 m hoch sein, weil der Druck der Luft nur eine Wassersäule von dieser Höhe zu halten im Stande ist. Anstatt den H. vor dem Eintauchen mit Flüssigkeit zu füllen, zieht man gewöhnlich vor, ihn in die Flüssigkeit mit dem kürzern Schenkel einzutauchen und durch Ansaugen an der Offnung des längern Schenkels zu füllen. Eine Anwendung des H. im großen hat man bei dem Kanal von Languedoc (Canal du midi) in Frankreich gemacht, welcher durch Bergwasser oft so sehr angefüllt ward, daß man ein Überlaufen befürchten mußte. Man legte deshalb H. in den Kanal, deren höchster Punkt noch unterhalb der Krone der Kanalwände lag. Sobald nun der Kanal sich bis zu dem höchsten Punkte des H. füllte, begann dieser zu fließen und führte das überflüssige Wasser an den Bergabhängen hinab. Da aber die H., deren Schenkel bis zum Boden des Kanals reichten, nicht eher würden zu fließen aufgehört haben, bis der Kanal ganz leer gewesen wäre, so brachte man in denselben in der Höhe des gewöhnlichen Wasserspiegels eine offnung an. Sobald das überflüssige Wasser bis dahin abgehoben war, trat Luft durch diese offnung und das Spiel der H. war unterbrochen, bis wieder eine Überfüllung eintrat, wo es von selbst wieder begann. Stoßheber oder mliche Mu er Widder nennt man eine hydraulische Maschine, mittels deren man durch den Stoß des in seinem Laufe adunch gehemmten Wassers und den Druck der adurch in einem Heronsball (s. d.) verdichteten Luft Wasser auf beträchtliche Höhen heben kann; diese Maschine wird indes nur selten angewendet, weil die heftigen Stöße das Material des Apparats bald zerstören.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 942Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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