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Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hebräische Sprache ist die Sprache der alten Israeliten und ihrer im Alten Testament gesammelt vorliegenden Litteraturüberreste. Im Alten 9115 fud. selbst wird sie teils Sprache Kanaans, teils jüd. Sprache genannt; der Name «hebräische Spraches kommt zuerst im Vorwort des Sirachbuchs und im Neuen Testament vor, doch wird mit diesem Namen in einigen Stellen des Neuen Testaments auch die zur Zeit Jesu übliche aramäische Landessprache bezeichnet. An anderweitigen Denkmalen des Hebräischen hat man nur wenige Inschriften (vom 7. oder 8. Wibs v. Chr. an), namentlich die 1880 gefundene Siloah-⸗Inschrift. Die Sprachdenkmale des Alten Testaments umspannen einen Zeitraum von mehr als 1000 Jahren (von Moses bis in das 2. Jahrh. v. Chr.); innerhalb desselben unterscheidet man zwei Zeitalter der Sprache, das erste oder die Blütezeit der hebr. Sprache bis in das 6. Jahrh., das zweite oder die Zeit des Verfalls nach dem Babylonischen Exil, charakterisiert durch stetig zunehmende Annäherung an den westaramäischen Dialekt, so zwar, daß die Volkssprache schließlich fast aramäisch wurde und das Hebräische nur noch als Büchersprache fortlebte. Nahe verwandt dieser jüngsten hebr. Büchersprache ist das sog. Neuhebräisch, dessen ältestes Schriftdenkmal die Mischna ist. Innerhalb des alten Hebräischen gab es auch (obwohl nur leichte) dialektische Verschiedenheiten. Im ganzen ist während des ersten Zeitalters (von einzelnen bei Dichtern forterhaltenen Archaismen abgesehen) die Sprache in grammatischer Hinsicht sch ziemlich gleich geblieben, wenigstens läßt sich die etwaige Fortentwickelung in den vokalischen Lauten nicht mehr verfolgen, weil in der alten (konsonantischen) Schrift die Vokalaussprache nur selten bezeichnet ist und die überlieferte (massoretische) Aussprache eine jüngere Stufe der Sprachentwickelung darstellt. Trotz des hohen Alters seiner Litteratur steht das Hebräische in linguistischer Beziehung dem Ursemitischen teilweise schon ferner als das Arabische. Nächst verwandt war dem Althebräischen das Moabitische (der Aehsvahr Deeen und wohl auch das Edomitische, sehr nahe verwandt auch das Phönikische pt,wachuhbe Die jetzt übliche hebräische Schrift, nach ihrer Form Quadratschrift, nach ihrem Ursprung assyr. (babylon.) Schrift genannt, aus welcher später die sog. rabbinische Schrift hervorging, trat erst nach dem Exil, von der Zeit des Esra an, allmählich an die Stelle der ältern hebr. Buchstabenschrift, welche von der altphönizischen nicht verschieden war. Die grammatische Behandlung des Hebräischen ist spätern Ursprungs. Die ersten Anfänge desselben liegen in den Arbeiten der 101 Massoreten, d. h. derjenigen Gelehrten des 6. bis 8. Jahrh. n. Chr., welche die bis dahin mündlich überlieferte Lesung des konsonantischen Bibeltextes durch Einführung der Vokal⸗ und Accentzeichen schriftlich fixierten und die hergebrachten empirisch-grammatisch-lexikalischen Beobachtungen über einzelne Wörter und Formen aufschrieben und weiter vermehrten. Umfangreichere und mehr systematische grammatische Zusammenstellungen machten die Juden erst um den Anfang des 10. Jahrh. nach dem Beispiel der Araber, zuerst selbst noch in arab. Sprache. So Rabbi Saadia Gaon (gest. 942) und Jehuda Chajug (um 1020); Abraham⸗-ben-Esra (um 1150) und David Kimchi (um 1190 — 1200) gewannen hierauf als Grammatiker ein klassisches Ansehen. Auch galt des letztern hebr. Wörterbuch für das vorzüglichste. Als Begründer des hebr. Sprachstudiums unter den Christen gilt Joh. steuchlin, gest. 1522, der sich jedoch, wie die Grammatiker der nächstfolgenden Zeit bis auf Joh. Buxtorf (gest. 1629), im wesentlichen ganz an die jüd. Überlieferung und Methode hielt. Eine neue Epoche begann, als sich durch das Studium der semit. Schwestersprachen der Gesichtskreis erweiterte. Namentlich wußten Alb. Schultens, gest. 1750, und Nik. W. Schröder, gest. 1798, das Arabische für die heatt Grammatik fruchtbar zu machen. Die Einseitigkeit, mit welcher hierin die s og. holländische Schule zu Werke ging, suchten die deutschen Grammatiker zu vermeiden. Besonders waren es Gesenius (s. d.), der unter Berücksichtigung auch des Aramäischen, durch umfassende Bepirisch vorliegenden Sprachstoffs sich Verdienste erwarb; Ewald (s. d.), welcher das rationelle Verständnis der hehr. Sprache als eines geistigen Oranismus nach histor.⸗genetischer Methode sich zur Aufgabe machte, und J. Olshausen (s. d.), der die vorgeschichtlichen, aus dem Altarabischen erkennbaren Wortformen zur Erklärung der hebr. Spracherscheinungen zu Hilfe nahm. Die assyr.⸗ babylonische und die himjarische Sprache sind für Grammatik und Lexikon des Hebräischen noch nicht gehörig verwertet. Die vollständigste und vielseitigste Grammatik ist noch immer Ewalds «Ausführliches Lehrbuch der hebr. Sprache (8. Ausg., Gött. 1870), die für den praktischen Gebrauch besonders der Anfänger tauglichste die von Gesenius (uerst 1813), in 23. Auflage von Kautzsch (Opz. 1881). Olshausens 4Lehrbuch der hebr. Sprachev (Braunschw. 1861) hat keine Syntax. F. Böttchers «Ausführliches Lehrbuch der hebr. Sprache v (2 Bde., Lpz. 1866—68) ist eine voluminöse Stoffsammlung. Nach Olshausens Prinzipien sind gearbeitet A. Müllers «Hebr. Schulgrammatiks (Halle 1878) und B. Stades «Lehrbuch der hebr. Grammatiko (Tl. 1, Lpz. 1879) ohne Syntax. Sehr nützlich durch die darin gegebene kritische Übersicht über die bisherigen grammatischen Theorien ist C. Königs „(Histor.Kritisches Lehrgebäude der hebr. Spracher (Lpz. 1881). Außerdem gibt es noch eine Reihe kleinerer Abrisse und Schulgrammatiken von Nägelsbach, Arnold, Grundt, Bickell u. s. w. Das umfassendste und immer noch beste lexikalische Werk ist Gesenius' Thesaurus linguae Hebraicae (vollendet von Rödiger, 3 Bde., Lpz. 1829 — 58); unter den Handwörterbüchern sind die Hietrich, 2 06 die von Gesenius (7. Aufl. von Dietrich, 2 Bde., Lpz. 1868; 9. Aufl. von Intttz und Volck, 2 Bde., Lpz. 1882 fg.) und von Fürst (3. Aufl. von Ryssel, Lpz. 1876). Vgl. Steinschneider, Bibliogr. Handbuch über die Litteratur der hebr. Sprachkundey (Lpz. 1859).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 949Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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