Chaldäische Sprache in dem heutigen Sinne war nicht die Sprache der alten Chaldäer, deren 1 erst durch die Ds eule der Keilschriften ekannt geworden sind. Das eine hat seinen Platz als sechste unter den semit. Sprachen unter dem Namen des Assyrischen eingenommen; die richtigere Bezeichnung wäre akladisch. Die andere ältere Ursprache, die Sprache der Wahrsager, Astrologen, Priester früher fälschlich casdoskythisch, protochaldäisch, akkadisch „jetzt erst richtig sumerisch genannt, ist eine nichtsemitische, mehr einigen hnranischen sich anschließende agglutinierende Sprache. Diese letztere ist die Sprache der Chaldäer, von der Jeremias und Daniel sprechen. Aus den in assyr. Sprache geschriebenen und fragmentarisch in den Königsannalen von Ninive erhaltenen Quellen schöpfte Berosus seine in griech. Sprache geschriebene, jetzt bis 300 wenige Bruchstücke verlorene Geschichte. Die zahlreichen Texte der komplizierten Keilschriftgattung sind in assyr. Sprache geschrieben, die sicher noch im 2. Jahrh. v. Chr. lebende Sprache in Chaldäa war, wie es vollständig assyr. Keilschriften aus den Regierungen des Seleucus Philopator, Antiochus Epiphanes, Demetrius sowie aus der des Arsaciden Mithridates von 104 und 102 v. Chr. beweisen. Noch aus Domitians Zeit (81 n. Chr.) findet sich eine Keilinschrift. Neben dieser ündie rache Snarr als später ausgebildeter Volksdialekt das Ostaramäische oder, wie der heutige Sprachgebrauch es ungenauerweise nennt, das Chaldäische. Dieses Chaldäische oder Ostaramäische, dem Hebräischen nicht näher stehend als die assyr. Sprache der alten Chaldäer, nahmen die Juden nach ihrer Rückkehr aus dem babylon. Exil an und erhoben es sogar zur Schriftsprache, sodaß von der Zeit der Makkabäer ab das Hebräische ganz verdrängt und Gelehrtensprache wurde. Im Stammsitze der Sprache brachte die pers. und griech. Herrschaft einige pers. und griech. Wörter in das Chaldäische. Im babylon.⸗ chaldäischen Dialekt, wie ihn die Juden als Schriftsümee ausgebildet haben, sind erhalten einige Abchnitte in den kanonischen Büchern Esra (Kap. 4, 8 bis 6, 1s und Kap. 7, 12—26) und Daniel (Kap. 2, 4 bis 7, 28), sowie eine Reihe von Übersetzungen und Paraphrasen alttestamentlicher Bücher, Targumin (s. d.), die aus sehr verschiedenen Zeitaltern herrühren und hinsichtlich ihres linguistischen und exegetischen Charakters sehr voneinander abweichen. Die chaldäischen Originale vieler apokryphischen Bücher, die man nur aus griech. Übersetzungen kennt, sind verloren gegangen. Auch Josephus schrieb sein Werk über den jüd. Krieg zuerst in chaldäischer Sprache. Die Sprache des Talmud nennt man gewõö Teit auch chaldäisch; doch muß zwischen dem ältern Teile, der Mischna, und der jüngern Erklärung, der Gemara, wohl unterschieden werden. Jene ist in einem an das Hebräische sich anschließenden und nur durch einzelne chaldäische Formen entstellten Dialekt geschrieben. Die Diktion der Gemara trägt allerdings den grammatischen und lexikalischen Grundcharakter des Chaldäischen durchaus an sich, ist jedoch als ein sehr ausgeartetes Chaldäisch zu betrachten. Die besten Hilfsmittel zur Erlernung des Chaldäischen sind besonders die Grammatiken von Winer (Lpz. 1842), Fürst (Lpz. 1835), Weun 100K (Berl. 1841; 3. Aufl. 1872) und Bertheau (Gött. 1843), und das Wörterbuch 4Aruch v von Nathan-bar-Jachiel aus Rom (gest. 1106), welches Landau unter dem Titel Rabbinisch-aramäischdeutsches Wörterbuche (5 Bde., Prag 1819) herausegeben und wonach hauptsächlich Joh. Buxtorf ein Lexicon chaldaicum, talmudicum et rabbinicumv (Bas. 1639; neu herausg. von Fischer, Lpz. 1866—74) gearbeitet hat. Die Herrschaft der Araber, die 640 n. Chr. über Babylonien einbrach und Bagdad selbst zur Hauptstadt des ahlh d. Derführte die alte Landessprache allmählich der Vernichtung entgegen, sodaß nur dort, wo sich christl. und jüd. Gemeinden unabhängig erhielten, wie in den Gebirgen Nordassyriens und dem nördl. Mesopotamien, eine Art Chaldäisch, freilich in sehr verderbter Form, noch jetzt gesprochen wird. Die als mißt, sind unter K aufzusuchen. chaldäisch bezeichneten Bücher der röm.⸗kath. Christen 1* fast rein syrisch und unterscheiden sich nur durch ie Aussprache von der westaramäischen Sprache.