Leopold I., deutscher Kaiser 16581705, der Annm Sohn Kaiser Ferdinands III. und der Maria nna von Spanien, geb. 9. Juni 1640, wurde, nachdem er zunächst für den geistlichen Stand erzogen war, infolge des Todes seines ältern Bruders 1655 zum Könige von Ungarn, 1656 zum Könige von Böhmen und 18. Juli 1658 trotz aller Gegenbemühungen Ludwigs XIV. von Frankreich, der die Kaiserkrone für sich selbst zu gewinnen suchte, zum deutschen Kaiser gewählt. L. war friedliebend, und doch wurde gerade seine lange Regierung eine Kette von Kriegen. Gleich anfangs hatte das kaiserl. Kabinett durch Einmischung in die Wirren Siebenbürgens sich in einen Krieg mit der Pforte verwickelt. Die Türken brachen 1662 in Ungarn ein, eroberten Großwardein und Neuhäusel und streiften bis Mähren und Schlesien. L. erlangte endlich auf dem Reichstage zu Regensburg (1663), wo er persönlich erschien, von den deutschen Fürsten Hilfe. Selbst Schweden und Frankreich sandten Truppen und die ital. Staaten und der Papst Geldbeiträge, sodaß es nun Montecuculi gelang, die Türken 1. Aug. 1664 in der Schlacht bei St. Gotthard an der Raab aufs Haupt zu schlagen. Statt diesen Sieg zu benutzen, gestattete der Kaiser in dem 10. Aug. zu Vasvar auf 20 Jahre abgeschlossenen Waffenstillstand, daß der von der Pforte begünstigte Prätendent Apafi Fürst von Siebenbürgen bleiben und die Pforte Großwardein und Neuhäusel behalten durfte. Der Krieg erneuerte sich, als L. zur Erweiterung seiner Souveränetät in Ungarn gewaltsame Maßregeln ergriff. Zwar wurden di? geheimen Unterhandlungen einiger Magnaten mit den Türken entdeckt, und es büßten die Grafen Nadasdy, Zriny, Frangipani und Tettenbach 1671 mit dem Tode; allein der Kampf der prot. Nationalpartei in Ungarn mit den deutsch-kath. Anhängern des Hauses Habsburg brach endlich 1682 unler Emmerich Tököly (s. d.) in offenen Aufruhr aus. Von den Empörern zu Hilfe gerufen und von Ludwig XIV. angereizt, stürmten die Türken 1683 mit einem Heere von 200000 Mann unter dem Großvezier Kara Mustapha durch Ungarn bis vor Wien, das sie vom 14. Juli bis zum 12. Sept. belagerten. Während nun Graf Rüdiger Starhemberg mit der Besatzung und den Bürgern, trotz Hunger und Seuchen, die Stadt tapfer verteidigte, rückte ein von den sächs. und bayr. Kurfürsten geführtes Reichsheer und ein 26000 Mann starkes poln. Korps unter Johann III. Sobieski zum Entsatze heran, die, im Verein mit den Kaiserlichen unter dem Herzog Karl von Lothringen, 12. Sept. bei Wien am Kalenberge über die Türken einen so entscheidenden Sieg erfochten, daß diese bald darauf Ungarn räumen mußten. Auch in den nachfolgenden Kämpfen war der Kaiser meist glücklich, und als Karl von Lothringen die Türken bei Neuhäusel und nach der Eroberung von Ofen bei Mohacz 1687 geschlagen, Prinz Eugen endlich die Schlacht bei Zenta an der Theiß 11. Sept. 1697 gewonnen, folgte 29. Jan. 1699 der Friede von Karlowitz, durch den Slawonien, Siebenbürgen und das übrige Ungarn in die Hände des Kaisers kam. Unterdes hatten auch die Ungarn selbst 1687 auf dem Reichstage zu Preßburg sich dem Kaiser unterworfen und die Verwandlung ihres Wahlkönigreichs in ein Erbkönigreich des Hauses Osterreich bewilligt. Nicht so glücklich bestand L. die Kriege mit Ludwig XIV. Der erste (1672—79), von L. und dem Deutschen Reiche in Verbindung mit Spanien und Brandenburg unternommen, um den von Frankreich und England angegriffenen Holländern beizustehen, wurde anfangs nur lau geführt, bis endlich Montecuculi die Franzosen 1675 bei Saßbach schlug, über den Rhein drang und sogar in Frankreich selbst einfiel. Aber der Friede von Nimwegen (1679) brachte dem Reiche doch nur Länderverlust; namentlich kamen Freiburg i. und Lothringen in die Hände der Franzosen. Es folgte die schmachvolle Zeit des Verlustes von Straßburg und der Reunionskammernv (s.d.) Ludwigs XIV. Das zerspaltene Reich und der mit den Türken beschäftigte Kaiser waren froh, als Ludwig XIV. gegen überlassung des bisherigen Raubes einen 20jährigen Stillstand verwilligte. Doch schon 1688 erneuerte der franz. König den Kampf, verheerte die Pfalz und drang bis Schwaben vor. Da vereinigten sich endlich, auf Wilhelms von Oranien Anregung, der Kaiser, das Reich, England, Holland, später auch Spanien und Henr uden neuem Kampfe (1688—97), der am Rhein, in Niederlanden, in Italien, an den Pyrenäen 1105 auf dem Meere meist glücklich geführt 97115 mit dem Frieden zu Ryswijk (. d.) 1697 endigte. Einen dritten Krieg, mit denselben Wanternahnt den Spanischen Erbfolgekrieg (s. d.), AKarl' die L. 1701, um seinem zweiten Sohne Kar ihn. Thronfolge von Spanien zu verschaffen, die ihn Ludwig XIV. für seinen Enkel Philipp von Anjou streitig machte. Den Siegen des Prinzen Eugen bei Carpi und Chiari folgte nach dem Einbruch der Franzosen in Bayern der rettende Sieg Eugens und Marlboroughs bei Höchstädt (13. Aug. 1704). Es war der letzte große Triumph L.s, der in derselben Zeit von dem unter Rakoczy II. neu insurgierten Ungarn hart bedrängt wurde. Am 5. Mai 1705 starb er in Wien. Kaiser L. galt als ein treuer Familienvater. vereinigte aber bigotte Frömmigkeit und Mildthätigkeit mit rücksichtsloser Intoleranz. Er war ein Liebhaber histor. und naturwissenschaftlicher Studien, auch eifriger Musiker. Sein Verdienst war die Gründung der Universitäten Innsbruck, Olmütz und Breslau; die Leopoldinische Gesellschaft für Naturforschung trägt seinen Namen. Für sein Haus erwarb er nach dem Ableben des Erzherzogs Franz Sigmund von Tirol diese Grafschaft mit einer reichen Barschaft an Geld, mit welcher er die Fürstentümer Oppeln und Ratibor, welche Ferdinand III. an Polen verpfändet hatte, wieder einlöste. Von seinen drei Gemahlinnen hatte er mehrere Söhne, von denen ihn zwei: Joseph I. (s. d.), sein Nachfolger, und Karl VI. (s. d.), überlebten.