Leopold II. (Peter), deutscher Kaiser 1790—92, dritter Sohn Franz' I. und Maria Theresias, geb. 5. Mai 1747, wurde durch den Vertrag mit Spanien zu Buen Retiro vom 3. Dez. 1762 zum Nachfolger seines Vaters in Toscana bestimmt und trat nach dessen Tode (18. Aug. 1765) erst 19jährig die Regierung an. Anfangs durch die Vertrauensmänner der Kaiserin, Marchese Botta und Graf Rosenberg, geleitet, eröffnete er später in selbständiger Regierung eine AÄra angestrengter und erleuchteter Reformthätigkeit für das Großherzogtum. Als sein Bruder, Kaiser Joseph II., 1790 starb, wurde L. Nachfolger des kinderlosen Kaisers. Er fand den österr. Staat in voller Zerrüttung: im Kriege mit den Türken, in feindlicher Spannung mit Preußen, außerdem Ungarn und Belgien im Aufstande. Im Innern wußte L. die ständischen, klerikalen, nationalen Ansprüche wieder zu beruhigen, es gelang ihm dadurch, 6. Sept. 1791 die böhm., 15. Nov. 1791 die ungar. Krone zu erlangen. Im Reiche war er schon 30. Sept. 1790 gewählt und 9. Okt. zu Frankfurt gekrönt worden. Mit Preußen machte bereits Juli 1790 der Vertrag von Reichenbach den Bestrebungen dieser Macht, den Türkenkrieg zu Tauschplänen auf Kosten Polens zu benutzen, ein Ende. Es folgte dann die Zusammenkunft von Pillnitz (25. bis 27. Aug. 1791), wo L. und Friedrich Wilhelm II. ein Garantiebündnis für ihre und des Reiches Mächte schlossen, sowie die Herbeiführung eines europ. Konzerts zum Schutz gegen neue Erschütterungen seitens der Französischen Revolution zusagten. Mit der Annahme der franz. Konstitution (14. Sept.) erklärte L. den Zweck des Konzerts erfüllt. Erst die Grenzverletzungen des Reichs durch die Franzosen und die kriegerische Leidenschaft der Nationalversammlung trieben die deutschen Mächte zu der Allianz vom 7. Febr. 1792. Auch jetzt dachte L. nur an einen Defensivkrieg. Dem Ultimatum der Nationalversammlung vom 25. Jan. folgte L.s Gegennote vom 17. Febr. Noch vor der franz. Kriegserklärung (20. April) starb L. unerwartet (1. März 1792). Seine Gemahlin Maria Luise, Tochter des span. Königs Karl III., die ihm 16 Kinder, darunter Franz, den spätern Kaiser, geboren hatte, Leopold I. (König der Belgier) starb bereits 15. Mai desselben Jahres. Vgl. Beer, „Joseph II., L. II. und Kaunitz. Ihr Briefwechsel⸗ (Wien 1873); derselbe, L. II., Franz II. und Katharina. Ihre Korrespondenzy (pz. 1874); A. Wolf und Zwiedineck-Südenhorst, «sterreich unter Maria Theresia, Joseph II. und L. II. (Berl. 1884).