Ludwig II. (Otto Friedrich Wilhelm), König von Bayern, geb. 25. Aug. 1845 zu Nymphenburg, der Sohn des Königs Maximilian II. (s. d.) und der Königin Maria, Tochter des Prinzen Wilhelm von Preußen, wurde,‚, 18 J. alt, 10. März 1864 durch den Tod seines Vaters auf den Thron berufen. In der Politik und dem Geschäftsgange trat damit keine Anderung ein. Der Minister von Schrenk blieb am Staatsruder, und als später von der Pfordten ihn ablöste, war dies kein Wechsel des Systems, sondern nur der Person. L. hält sich meist in der Einsamkeit auf, in Hohenschwangau, auf Lindenhof und auf Schloß Berg am Starnbergersee, beschäftigt mit Lektüre und mit der Musik Richard Wagners. L.s Verlobung mit der Prinzessin Sophie, Tochter des Herzogs Max von Bayern (der jetzigen Herzogin von Alengon) wurde von ihm 1867 rückgängig gemacht. Für die Politik, welche Bayern 1866 im Konflikt zwischen Osterreich und Preußen befolgte und mit den Waffen vertrat, und die in dem für das Land ungünstigen bayr.⸗preuß. Friedensvertrage vom 22. Aug. 1866 ihren Abschluß fand, ist L. persönlich kaum verantwortlich zu machen. Niemals hat er sich von da an der Entwickelung des deutschen Verfassungswesens feindlich in den Weg gestellt. Trotzdem daß die Abgeordnetenwahlen von 1869 und von 1875 den Ultramontanen eine, wenn auch kleine Mehrheit sicherten, ließ er sich doch nicht zu der Berufung eines feudal-ultramontanen Ministeriums bewegen. Er willigte zwar in die Entlassung des Ministers Hohenlohe, nahm aber die Adresse der Reichsratskammer nicht an und ließ sich die der Abgeordnetenkammer nicht durch eine Deputation übergeben, sondern zusenden. Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871 stellte er sich von Anfang an auf die Seite Deutschlands und ergriff, ohne auf das Votum der Kammer zu warten, die Initiative für Bayern. Die Versailler Verträge, infolge deren auch Bayern in das neue Deutsche Reich eintrat, erhielten die königl. Genehmigung. Wenige Tage darauf, 30. Nov. 1870, richtete L. an alle deutschen Fürsten und an die Senate der drei Freien Städte ein Schreiben mit der Aufforderung, dem König von Preußen als dem Bundespräsidenten den Titel eines Deutschen Kaisers anzutragen. Nach Zustimmung sämtlicher Regierungen ließ er im Namen derselben durch den im Hauptquartier befindlichen bayr. Prinzen Luitpold dem König von Preußen die deutsche Kaiserkrone anbieten. Nach dem Kriege traten die kirchlichen Fragen wieder in den Vordergrund. Die Adresse der klerikalen Kammermehrheit von 1875, welche von ihm die Einsetzung eines Ministeriums aus ihrer Partei verlangte, nahm er weder aus der Hand einer Deputation noch durch Zusendung entgegen und genehmigte das Entlassungsgesuch des Ministeriums nicht. Die spätern Versuche der klerikalen Partei, das Ministerium zu stürzen, beantwortete L. 23. Febr. 1882 mit einem anerkennenden Schreiben an den Ministerpräsidenten von Lutz. Seine Neigung für monumentale Bauten veranlaßten ihn 1874 zu einer Inkognitoreise nach Paris und Versailles, worauf er auf der von ihm angekauften Herreninsel im Chiemsee ein Klein-Versailles bauen zu lassen anfing.