FeedLeopold I. (Georg Christian Friedrich)
GeschichteBrockhaus 1882

Leopold I. (Georg Christian Friedrich), König der Belgier, der jüngste Sohn des Herzogs Franz von Sachsen-Coburg und Bruder des Herzogs Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha, geb. 16. Dez. 1790, wurde 1805 im russ. Heere angestellt. Nach dem Tilsiter Frieden begab er sich mit seinem Bruder Ernst nach Paris, und als dieser 1808 eine Reise nach Rußland unternahm, hatte er in dessen Abwesenheit teil an den Regierungsgeschäften und begleitete den Kaiser Alexander I. auf den Kongreß nach Erfurt. Im Febr. 1813 ging er nach Kalisch zum Kaiser Alexander und blieb nun beim russ. Heere bis zur Einnahme von Paris. Er begleitete 1814 die Monarchen nach England und begab sich im Sept. 1815 zum Kongreß nach Wien. Von hier ging er, nach Napoleons Rückkehr von Elba, zur Rheinarmee, begab sich 1816 nach Berlin und bald darauf nach England, wo er sich mit der brit. Thronerbin Charlotte Auguste (geb. 7. Jan. 1796) verlobte. L. ward nun durch die Parlamentsakte vom 27. März 1816 naturalisiert, erhielt einen Jahrgehalt von 50000 Pfd. St. und den Rang vor allen brit. Herzögen und Großbeamten, sowie die Würde eines brit. Feldmarschalls, trat auch als Mitglied in den Geheimen Rat ein. Die Vermählung fand 2. Mai 1816 statt, aber schon 5. Nov. 1817 zerstörte der Tod seiner Gemahlin die Hoffnungen, welche die Briten auf diese Ehe gebaut hatten. L. lebte hierauf teils auf Reisen, teils in urückgezogenheit in London und auf seinem Landitze Claremont. Am 3. Febr. 1830 wurde ihm von den drei zur Pacifikation Griechenlands verbündeten Höfen die Würde eines souveränen Erbfürsten Griechenlands angetragen, der er aber, nachdem er sie 11. Febr. mit Vorbehalt angenommen, 21. Mai wieder entsagte. Hierauf erwählte ihn 4. Juni 1831 der belg. Nationalkongreß zum König der Belgier. Er nahm diese Krone 26. Juni bedingungsweise, 12. Juli unbedingt an und wurde hierauf in Brüssel, nachdem er die Konstitution beschworen, 21. Juli 1831 als König inauguriert. Im Aug. 1832 vermählte sich L. mit der Prinzessin Luise (geb. 3. April 1812, gest. 11. Okt. 1850), der Tochter Ludwig Philipps, Königs der Franzosen. Aus dieser Ehe gingen hervor sein Nachfolger, der König Leopold II. (s. d.), der Prinz Philipp, Graf von Flandern (geb. 24. März 1837) und die Prinzessin Charlotte (geb. 7. Juni 1840), Witwe des Kaisers Maximilian von Mexiko. L. hielt fest an den Prinzipien, welche die Konstituierung der belg. Nation begründeten, sowohl in Bezug auf die innere Verfassung, als auf die gegen die europ. Mächte übernommenen Verpflichtungen, und war eifrig bemüht, die sittliche und materielle Entwickelung des Landes zu fördern. Mit Würde und Besonnenheit wußte er sich in verschiedenen kritischen Zeitpunkten, namentlich nach den Ereignissen von 1848, zu benehmen. Dagegen aber zeigte er auch große Standhaftigkeit in der Durchführung der als unabweisbar erkannten Maßnahmen, wie z. B. in Hinsicht des neuen Ver⸗ (S. Belaler etzes und der Befestigung Antwerpens. (S. Belgien.) L. starb 10. Dez. 1865. Vgl. Juste, „Les fondateurs de la Renardis belge. L. I, roi des Belgesv (Brüss. 1868; deutsch, Gotha 1869), und «Denkwürdigkeiten aus den Papieren des Freiherrn C. F. von Stockmaro (Braunschw. 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 10Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6