FeedLeuchtturm
HimmelskundeBrockhaus 1882

Leuchtturm nennt man ein hohes, an gefährlichen Küstenpunkten errichtetes Gebäude, wo in der Nacht ein Feuer unterhalten wird, um die Schiffenden vor gefährlichen Punkten im Fahrwasser zu warnen. Der berühmteste unter allen Leuchttürmen des Altertums war der zu Alexandria, der nach der kleinen Insel, auf welcher er stand, Pharus hieß, welcher Name später mit L. überhaupt gleichbedeutend wurde. Der Pharus von Alexandria gehörte zu den sog. sieben Wunderwerken und wurde von Sostrates aus Knidos erbaut. Seine Vollendung fällt in das J. 283 v. Chr.; seine Höhe wird auf 170 meangenommen. Er blieb bis etwa 1317 stehen, und man weiß nicht, wie er zerstört wurde. Zu den berühmtern Leuchttürmen neuerer Zeit gehört der zu Cordouan (s. d.). Fast noch merkwürdiger durch die Schwierigkeiten, die sich seiner Gründung entgegenstellten, ist der Turm auf Ed dystone (s. d.). Würdig reiht sich demselben an der im Firth of Forth auf den: Felsen Inch-Cape oder Bell-Rock (s. d.) stehende L. Wo Leuchttürme sich nicht anbringen lassen, werden Schiffe verankert, die bei Tage eine Flagge entfalten, bei Nacht eine oder mehrere Laternen an den Mastspitzen führen. Um in der Nähe der Küsten bestimmen zu können, an welchem Punkte das Schiff sich befinde, suchte man Unterschiede in dem Lichte des L. hervorzubringen. Zunächst kam man auf die Idee, das Licht zu färben. Wenn aber auch farbiges Glas der Laterne auf kurze Distanzen die Färbung überträgt, so gelingt dies doch nicht für die Ferne. Deshalb nahm man, von dem Turme mit nur einer Laterne ausgehend, zu zwei Feuern seine Zuflucht, von denen das eine zu ebener Erde, das andere hoch oben brennt. Auch erfand man das Drehfeuer (revolving light)), bei welchem ein Uhrwerk das Lampensystem im Kreise bewegt, und suchte ihm noch dadurch Abwechselung zu eben, daß verschiedene Lampen durch farbige Glasscheiben gedeckt werden. Eine andere Anordnung ist die, daß ein Blechschirm, von der Uhr getrieben, die Lampe deckt. Hieran reiht sich das Flashing oder Blicklicht, welches plötzlich auftaucht und im Moment verschwindet; ferner das Intermitting oder aussetzende Feuer, welches auf einem Riemen ohne Ende von der Erde im Turme langsam in die Höhe steigt und dort verschwindet, um nach einem Umlaufe wiederzukehren. Außerdem hat man auf niedern Türmen das Hafenfeuer, welches nur zur Stunde des hohen Wassers oder der Flut entzündet wird, und die Leitfeuer (leading lights), um au engen Strömen den Lotsen in den Stand zu setzen, auch in der Nacht zu segeln. In der neuern Zeit sind die Lichter der Leuchttürme und der Leucht- oder Feuerschiffe (s. d.) durch Schleifen der sie umgebenden Gläser außerordentlich verbessert worden (ogl. Feuertürme); auch ist an einzelnen Punkten elektrisches Licht in Anwendung gekommen. Die Tafel: Leuchttürme gibt in Fig. 1. die Ansicht des erwähnten L. von Eddystone, in Fig. 2 die des L. von Swinemünde, des höchsten L. an der deutschen Küste (66 m); Fig. 3 stellt den obern Teil eines L. mit Blickfeuer, Fig. 4 mit festem, Fig. 5 und Fig. 6 einen solchen mit katadioptrischem Apparat (Argandlampen, welche ihr Licht sämtlich zu einer Linie konzentrieren) dar.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 35Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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