Lianen ist ein zuerst in den franz. Kolonien aufgekommener, dann auch in die deutschen Reise-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. beschreibungen tropischer Länder aufgen Ausdruck, der durch das deutsche Wol 8 Hlüngpflanzen 16 Gewüs ersetzt wird. Man versteht darunter alle Gewächse mit einem sehr langen biegsamen, windenden kletternden oder rankenden Stengel oder Stamm, die an Bäumen und Sträuchern der Wälder emporsteigen, öfters noch über deren Kronen hin fortwuchern und häufig, sich von Baum zu Baum schlingend, malerische Festons oder undurchdringliche, die Baumstämme und Sträucher überspinnende Geflechte bilden. In nordischen Ländern ist diese Pflanzenform nicht häufig. Doch zeigt z. B. die in Hecken häufige Gemeine Waldrebe (Clematis Vitalba), wenn sie sich selbst überlassen bleibt, diese Form, und besonders das in den Wäldern wachsende deutsche Geißblatt oder der gemeine Jelängerjelieber (Lonicera Periclymenum), dessen Stengel die Stämme der Waldbäume fest umschlingt, sowie der wilde Hopfen und die Heckenwinde (Convolyvulus). In den heißen Gegenden sind dagegen die L. häufig und bringen in das Bild einer tropischen Landschaft einen vielfach wechselnden und um so schönern Zug, als gerade viele dieser Schlingsträucher durch Menge und Pracht ihrer Blumen auffallen. Sie erschweren zwar die Zugänglichkeit der Wälder, sind aber als natürliche, oft kaum zerreißbare Seile den Eingeborenen von großem Nutzen. Botanisch genommen, ehören sie 0 den verschiedensten Pflanzenfamilien. In europ. Gärten sind sie selten, da sie meist sorgfältige Abwartung im Glashause verlangen und keineswegs alle leicht zum Blühen zu bringen sind.