FeedL'Höpital (Michel de)
GeschichteBrockhaus 1882

L'Höpital (Michel de), Kanzler von Frankreich, geb. um 1504 zu Aigueperse unweit Riom, im Depart. Puy-de-Döme, studierte zu Padua und Bologna die Rechte, Rom darauf das Amt eines Auditors der Rota zu Rom, kehrte aber 1534 nach Paris zurück. Er beschäftigte sich hier drei Jahre als Advokat und erhielt dann die Stelle eines Parlamentsrats, die er jedoch bald niederlegte. Im J. 1547 sandte ihn der Hof auf das Konzil, das damals von Trient nach Bologna verlegt worden war. Margarete von Valois ernannte ihn zu ihrem Hauskanzler und 1554 wurde er Oberintendant der Finanzen. Mit der Thronbesteigung Franz' II. gelangte er in den Staatsrat, nahm jedoch bald darauf die Stelle eines Kanzlers der Margarete von Valois (Tochter Franz I., Herzogin von Berri) an. Katharina von Mediei ernannte ihn zum Kanzler von Frankreich. L. suchte durch ein gemäßigtes Verfahren, sowohl gegen die Hugenotten wie gegen die Guisen und Katholiken, den Bürgerkrieg beizulegen und den Parteigeist zu brechen. Aber schon nach dem Frieden zu Amboise, 1563, verlor er seinen Einfluß. Nachdem ihn die Königin-Mutter aus dem Staatsrat ausgeschlossen, legte er 1568 sein Kanzleramt nieder und lebte auf dem kleinen Landgute Vignay bei Estampes den Wissenschaften. Er starb in Armut 15. März 1573. Sein in der dnrch zu Vignay errichtetes Grabmal wurde 1836 durch eine Nationalsubskription erneuert. L. hinterließ schöne lat. Poesien, Memoiren, Reden und mehrere Manuskripte 8el, Por. 18924.—2 Inhalts, die als Oeuvresv (5 Bde., Par. 1824—26) erschienen. Später gab Dupin der Altere die Schrift Harangue du chancelier de LH. sur un budget du XVIesiècles heraus. Vgl. Villemain, Vie de LH.v (Par. 1827; neue Ausg. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 49Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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