FeedLiebieg (Joh., Freiherr von)
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Liebieg (Joh., Freiherr von), bedeutender österr. Industrieller, geb. 7. Juni 1802 zu Braunau in öhmen, erlernte daselbst das Tuchmachergewerbe und erwarb 1828 zu Reichenberg in Böhmen eine Spinnerei, welche durch Fabrikation neuer engl. Stoffe, wie Merinos, Lastings, Tibets und später namentlich Orleans und Mohairs, bald einen außerordentlichen Aufschwung nahm und beträchtliche Erweiterungen erfuhr. So entstanden 1832 —50 ein Preßgebäude, eine Druckerei, eine Dampflärberer, eine auf 800 Webstühle berechnete Weberei, eine Worstedspinnerei von 5400 Spindeln, ein Lagermagazin, eine Appretur u. s. w. Hierzu kamen Unternehmungen an andern Orten. Im J. 1841 wurde in Mödling bei Wien eine Färberei- und Appreturanstalt errichtet (seit 1845 nach Nußdorf verlegt), 1845—55 bei Swarow eine Baumwollspinnerei, eine mechan. Weberei und ein Gebäude mit 137 Handwebstühlen, 1855 im benachbarten Haratitz eine Spinnerei, 1851 eine Kammgarnspinnerei in Mildenau und 1856—65 eine auf 50000 Spindeln berechnete Baumwollspinnerei in Esenbrod. Einen 1852 im Biharer Komitat in Ungarn erworbenen Grundbesitz, auf dem L. eine Glasfabrik errichtete und eine Kolonie deutschböhm. Arbeiter ansiedelte, gab er nach mehrern Jahren gegen Eintausch des Produktenhofs in Wien in andere Hände. Weiterhin gingen in L.s Eigentum über: die Spiegelfabrik in Elisenthal, das Kupferhüttenwerk in Rochlitz, das Kupferhammerwerk in Guttenstein, die Dachschieferbrüche in Racie, die Kalksteinbrüche in Smre und die Staatsdomäne Smirkitz mit Horenowes, wo er ein Dampfsägewerk, eine Bierbrauerei und eine Zuckerfabrik anlegte. Später wurde mit diesem Grundbesitz auch die Waldherrschaft Daschitz vereinigt. Durch Einrichtung von Kranken⸗ und Invalidenkassen, eigenen Speiseanstalten und Brotbäckereien, durch den Bau von Arbeiterhäusern, eigenen Schulen und einem Asyl zur Aufnahme von Arbeiterkindern sorgte L. für das Wohl seiner Arbeiter. L. wurde 1866 in den Ritter⸗ und 1867 in den Freiherrenstand erhoben und starb 16. Juli 1870 zu Smititz. Inhaber der Firma Liebieg u. Comp. sind gegenwärtig L.s Söhne, Johann, Heinrich und Theodor ½½½ von L., und sein Schwie-Dann L. Joseph Ritter von Mallmann. Vgl. Johann L. Ein Arbeiterlebeno (Lpz. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 64Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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