FeedLied
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Lied (frz. chanson, ital. canzone) ist eine der lyrischen Form angehörende Dichtungsart; sie ist der freie schönheitsvolle Erguß der innern Stimmung und Empfindung. Man teilt das L. in das geistliche (s. Kirchenlied) und weltliche ein. Das weltliche L. zerfällt in sehr verschiedene Gattungen (Wiegen⸗, Kinder⸗, Schul⸗, Liebes⸗, Trink⸗, Kriegs⸗, Tanzlieder u. s. w.). Die Alte Welt hat von wirklicher Liederdichtung nur wenig aufzuweisen; wie die lyrische Poesie überhaupt, konnte auch das L. erst in der Gefühlstiefe des christl. Zeitalters sich entwickeln. Am reinsten ausgeprägt erscheint das Wesen des Liedes im Volkslied (s. d.); diesem gegenüber steht das Kunstlied, welches dieselben Stoffe behandelt wie das Volkslied, aber in mehr künstlerischer Form und in mehr subjektiver Weise. Die Komposition eines L., sei es geistlich oder weltlich, muß sich nach der in demselben ausgedrückten Stimmung richten und ganz mit be verschmelzen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 67Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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