FeedLind (Jenny)
MusikBrockhaus 1882

Lind (Jenny), ausgezeichnete Sängerin, geb. 6. Okt. 1820 zu Stockholm, erregte schon in fruhester Jugend durch ihr feines musikalisches Gehör Aufmerksamkeit und wurde 1830 in die Theaterschule zu Stockholm aufgenommen. Nachdem sie schon öfters komische Rollen auf der schwed. Hofbühne mit Beifall ausgeführt, versetzte sie im Alter von 17 J. als Alice in «Robert der Teufel» das Publikum durch Gesang und Darstellung in Begeisterung. Sie ging 1841 nach Paris, um bei Garcia ihre Ausbildung zu vollenden, kehrte aber schon nach einem Jahre nach Stockholm zurück. Auf Meyerbeers Veranlassung ging sie im Okt. 1844 auf vier Monate nach Berlin und von hier aus verbreitete sich ihr Ruf durch Europa. Im Sommer 1845 folgte sie der Einladung zu den Festen am Rhein, die dort der König von Preußen zu Chren der Königin Victoria veranstaltete. Vom Nov. 1845 bis Ende März 1846 erfüllte sodann Jenny t L. ihr neues fünfmonatliches Engagement an der königl. Bühne zu Berlin. Sie besuchte darauf Wien und fast alle größern Städte Deutschlands. Die londoner Bühne betrat sie erstmals 1847 und erntete dort wie in vielen andern Städten Englands ungemeinen Beifall. Nachdem sie im Mai 1849 in London zum letzten mal auf der Bühne aufgetreten, wandte sie sich nach Norddeutschland und Schweden und ging im Aug. 1850 über England nach Nordamerika, wo sie in Konzerten, deren geschäftliche Leitung größtenteils Barnum besorgte, mit demselben Erfolge auftrat wie in Europa. In Amerika vermählte sie sich 1851 mit dem und Komponisten Otto Goldschmidt (s. d.), kehrte nach Europa zurück und nahm ihren zeitweiligen Aufenthalt in Dresden. Von hier siedelte sie nach Verlauf einiger Jahre nach London über, wo sie nur noch selten und meist nur zu wohlthätigen Zwecken in Konzerten auftrat. Unstreitig gehört Jenny L. zu den bedeutendsten Erscheinungen, die jemals im Gesange geglänzt haben. Sie war gleich ausgezeichnet durch den Zauber der Stimme wie durch die Kunst des Gesangs und die Großartigkeit der dramatischen Darstellung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 85Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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