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Sport & SpielBrockhaus 1882

Linie als taktische Form heißt die Stellungsform einer Truppe mit großer Frontausdehnung und geringer Tiefe; sie entspringt dem Grundgedanken, eine möglichst große Zahl Streiter oder Waffen gleichzeitig an den Feind oder zur Geltung gelangen zu lassen. Am meisten würde es dem entsprechen, wollte man die Leute oder Reiter lediglich nebeneinander reihen, in welchem Falle man von der Aufstellung in einem Gliede spricht. Doch kommt dies in der That nur in der geöffneten Formation vor. Die geschlossene L. der Infanterie und Kavallerie hat als Gefechtsform zwei Glieder hintereinander (in frühern auie Auinelen drei und noch mehr), wodurch die ganze Aufstellung weniger ausgedehnt wird, einen größern Zusammenhalt bekommt, das zweite Glied auch, namentlich mit der Schießwaffe, noch immer zur Geltung gelangt. Ein drittes Glied (und jedes fernere) würde bei der Infanterie auf den regelmäßigen Gebrauch der Schußwaffe verzichten müssen, bei der Kavallerie der Vorwärtsbewegung nachteilig werden. Das dritte Glied der deutschen Infanterie, wie es noch immer in der Grundformation des Bataillons vorkommt, hat nur für den Exerzierplatz und Marsch Bedeutung. Zum Gefecht werden hier aus den Leuten des dritten Gliedes besondere Abteilungen formiert. Schiebt man die einzelnen Unterabteilungen der linearen Formation hintereinander, so entsteht die Kolonne (s. d.), in welcher die Truppen leichter zu versammeln sind, Bewegungen sich einfacher ausführen lassen als in der L. Auch der Stoß geschlossener Infanterieabteilungen ist in der Kolonne kräftiger als in der L. Doch ist die Anwendung der Kolonne im wirksamen Feuer des Gegners gegenwärtig wegen der damit verbundenen großen Verluste fast unmöglich zu nennen. Wo jetzt das geschlossene Gefecht der Infanterie noch vorkommt, ist es vorherrschend in L., wobei die Verluste in Anbetracht der geringen Tiefe der Aufstellung nicht so bedeutend als bei der Kolonne sind. Im 18. Jahrh., wo das zerstreute Gefecht noch wenig angewandt wurde, spielte die L. bei der Infanterie schon die Hauptrolle, weshalb man die damalige Taktik auch Lineartaktik nennt. Mit dem zerstreuten Gefecht kam die Kolonne insofern wieder mehr zur Geltung, als sie die bequemere Form für die der aufgelösten Schützenlinie folgenden Unterstützungstrupps und die hintern Abteilungen ist. Diese gingen dann in der Kolonne auch häufig bis an den Feind heran, weshalb man die ganze Fechtweise als Kolonnentaktik bezeichnete, doch nicht in dem Sinne, wie sie vor dem Vorwalten des Feuergefechts gegolten hatte. Die gesteigerte Wirkung der neuern Feuerwaffen hat nun die Anwendung der Kolonne zur Unterstützung des zerstreuten Gefechts wesentlich eingeschränkt, sodaß von einer Kolonnentaktik keine Rede mehr sein kann. Die geöffnete und geschlossene L. sind die fast ausschließlich zurn Anwendung kommenden eigentlichen Gefechtsformen der Infanterie. Die Artillerie als Waffe des ausschließlichen Feuergefechts kann im Gefecht nur in L. auftreten. Die Kavallerie bedient sich ebenfalls der Kolonne nur als Lawend und Manövrierformation, doch ist hier die Anwendung der L. als Gefechtsformation darauf begründet, daß sie die höchste Steigerung der Geschwindigkeit bei der Attacke und das Eingreifen einer möglichst großen Zahl von Reitern beim Ausbeuten des Erfolgs gestattet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 92Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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