FeedLipsianer
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Lipsianer, Nachahmer Justus Lipsius' (s. d.). „Lipsius (Justus), eigentlich Joest Lips, berühmter Philolog und Kritiker des 16. Jahrh., geb. 18. Okt. 1547 zu Overissche bei Brüssel, studierte zu Löwen die Rechte und Altertumskunde und begab sich 1567 nach-Rom, wo er lat. Sekretär des Kardinals Granvella wurde. Hierauf kehrte er 1569 nach Löwen zurück, wendete sich aber bald nach Wien und wurde 1572 Professor der Beredsamkeit und der Geschichte zu Jena, nachdem er vorher scheinbar zum Protestantismus übergetreten war. Aber schon nach zwei Jahren ging er wieder nach Löwen zurück und erhielt 1579 den Lehrstuhl der Geschichte zu Leiden. Hier wirkte er 13 Jahre lang, wurde aber wegen Intoleranz in seinen polit. und religiösen Grundsätzen, die auch in seinen Schriften: De una religione libero (Leid. 1590) und Politicorum libri IVo (Antwerp. 1589) hervortrat, genötigt, sein Amt niederzulegen, worauf er zwei Jahre in Lüttich und Spaa lebte. Endlich erhielt er wieder eine Anstellung in Löwen, und kurz vor seinem Tode, welcher 23. März 1606 erfolgte, ward er Historiograph des Königs von Spanien. Ein wesentliches Verdienst erwarb sich L. besonders um die Kritik und sachliche Erklärung der lat. Klassiker, insbesondere des Tacitus, den er zum Muster seiner eigenen Darstellung wählte. Die Geschraubtheit und Affektation seiner Schreibweise (der stilus Lipsianus, eine Verschmelzung des archaischen Lateins mit dem des L. Appulesus, Tertullian u. s. w. als Gegensatz zum ital. Ciceronianismus) wurde von seinen Nachahmern, die man Lipsianer nannte, noch überboten. Aus der großen Zahl seiner Schriften sind noch hervorzuheben: (Variarum lectionum libri IIIL (Antwerp. 1569), ferner Antiquarum lectionum libri Vy (Antwerp. 1575; 2. Aufl., Leid. 1596) und Epistolicarum quaestionum libri Vy (Antwerp. 1577), sodann das gedankenreiche Werk De constantia in publieis malis o(Antwerp. 1584; deutsch von Dillenius, Lpz. 1802). Sehr zahlreich sind auch seine Briefe, die zum Teil durch ihn selbst als Epistolae selectae (2 Bde., Leid. 1586 —90) und von Burmann gesammelt erschienen (5 Bde., Amsterd. 1727). Seine «Opera omnia erschienen in acht Bänden (Antwerp. 1585; 2. Aufl., 4 Bde., 1637) und in vier Bänden (Wesel 1675).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 104Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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