Lobköwitz, altes böhm. Geschlecht, hieß ursprünglich von Ujezd und nannte sich seit 1410 nach dem von ihm im Kaurzimer Kreise erbauten Schlosse Lobkowitz, teilte sich 1440 in die Peter-Popelsche und die Hassensteinische Linie ab, welche letztere 1789 erlosch. Die erstere spaltete sich unter den Enkeln des Stifters wieder in die jüngere Linie zu Bilin, welche 1722 ausstarb, und in die ältere Linie zu Chlumetz, deren Gründer Ladislaus I. (gest. um 1505) war. Der Sohn des letztern, Ladislaus II., erhielt von Kaiser Maximilian II. die unmittelbare Reichsherrschaft Neustadt an der Waldnab im Nordgau, die später 1641 unter dem Namen Sternstein * gefürsteten Grafschaft erhoben, 1807 aber an Bayern verkauft wurde. Ladislaus' II. Sohn, Zdenko Adalbert, erhielt 1624 die Reichsfürstenwürde und sein Sohn Wenzel Eusebius 1653 wegen Sternstein Sitz und Stimme im Reichsfürstenrate. Durch die Enkel des Wenzel Eusebius, Philipp und Georg, teilte sich das Geschlecht wieder in eine ältere Linie und eine jüngere Linie, die noch bestehen und beide, außer der Fürstenwürde, den Titel eines Herzogs von Raudnitz führen. Die ältere Linie besitzt das Herzogtum Raudnitz, das Majorat Bilin (110 gkm), die Herrschaften Chlumetz, Liebshausen mit der Sommerresidenz Eisenberg, Mühlausen, Enzowan, Eisenberg-Neundorf u. s. w., zusammen etwa 2090 akm; die jüngere, im Sommer zu Horzin residierende, die Allodialherrschaft Melnik nebst Schopka und Skuhrow (150 gkm), die Herrschaften Drhowle, Cizowa und Sedlec (160 akm) u. s. w., zusammen etwa 550 akm. Das jetzige Oberhaupt der ältern Linie ist der Fürst Moritz von L., geb. 2. Juni 1831. — Sein Oheim, Karl, Prinz von L., geb. 24. Nov. 1814, gest. 26. Sept. 1879, war 1861—66 Statthalter von Tirol und Vorarlberg und seit 20. Jan. 1869 lebenslängliches Mitglied des österr. Herrenhauses, wo er ein Führer der föderalistisch-klerikalen Partei war. — Chef der jüngern Linie ist Fürst Georg Christian von L., geb. 14. Mai 1835. Die Familie zeichnete sich bis zur Schlacht am Weißen Berge ebenso durch feurige Verteidigung der alten Verfassung und Freiheit Böhmens wie nachher durch Anhänglichkeit an das Kaiserhaus aus. Historisch merkwürdige Mitglieder derselben sind: Bohuslaw L., aus der Linie Hassenstein, geb. 1462, gest. 1510, einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit und um die böhm. Litteratur und Kultur hochverdient. Eine Auswahl seiner Oden, Eleien und Briefe gab Iroße Bohme 1832) heraus. Val. Cornova, „Der große Böhme Bohuslaw L.d (Prag 1808).— Wenzel FranzéEusebius, Fürst von L., geb. 20. Jan. 1609, Minister Kaiser Leoolds I. seit 1668, machte sich durch rücksichtslose Pee n und kühnen Witz viele Feinde am ofe, von denen er wegen seiner Weigerung, die Holländer gegen Ludwig XIV. zu unterstützen, bei dem Kaiser als ein im franz. Solde stehender Verräter verdächtigt wurde. J. 1674 auf sein Gut Raudnitz verwiesen, starb L. 24. April 1677. Vgl. Wolf, «Fürst Wenzel L.» (Wien 1869). — Georg Christian, Fürst von L., geb. 10. Aug. 1686, war frühzeitig Generalgouverneur in Siebenbürgen und focht glücklich gegen die Türken. Mit weniger Glück führte er zu Anfang des Osterreichischen Erbfolgekriegs in Oberösterreich und Böhmen den Oberbefehl, doch siegte er später bei Braunau und schloß Belleisle in Prag ein. In der Schlacht bei Sorr im zweitenSchlesischen Kriege zeichnete er sich aus. Er erhielt später ein Kommando in Italien und starb 4. Okt. 1755 zu Wien. — Au gust Longin, ½ von L., geb. 15. März 1797, erwarb sich als Gouverneur des Königreichs Galizien durch seine milde und kluge Administration, besonders zur Zeit der Cholera und des poln. Kriegs, große Verdienste, wurde jedoch 1832 abgerufen. Hierauf ward er einige Zeit bei der Hofkammer verwendet, dann zum Hofkanzler der polit. Hofstelle ernannt und 1834 Präsident der Hofkammer für das Münz⸗ und Bergwesen. Ihm verdankt auch das neue Münzgebäude in Wien seine Einrichtung. Er starb zu Wien 17. März 1842.