FeedEbersdorf
GeschichteBrockhaus 1882

Ebersdorf, reuß. Herrschaft im Vogtlande, entstand dadurch, daß der 1647 abgeteilte jüngste Ast der 1535 gestifteten jüngern Linie des Hauses Reuß (s. d.), nämlich der Ast Reuß-Lobenstein, sich 1678 in die Zweige Lobenstein, Hirschberg und C. spaltete. Heinrich X., welchem E. zufiel, erbaute daselbst 1690 sein Residenzschloß. Als 1711 der Hirschbergische Zweig wieder abstarb, fiel das Städtchen Hirschberg und sieben Dörfer an CE. Nach dem Absterben der fürstl. Linie Lobenstein in der gräfl. Nebenlinie zu Selbitz 1824 kamen deren Besitzungen an E., dessen Fürst sich seitdem Reuß zu Lobenstein und E. nannte. Am 1. Okt. 1848 legte der Fürst Heinrich LXXII. (geb. 27. März 1797, gest. 17. Febr. 1853) die Regierung zu Gunsten des Gemahls seiner Schwester Adelheid, Heinrich LXVII. aus der Linie Schleiz nieder, wodurch das Land mit dem Fürstentum Reuß der jungern Linie unter Einem souveränen Fürsten vereinigt wurde. In diesem bildet es seitdem das Landratsamt E. Der Marktflecken Ebersdorf, im Oberländischen Kreise von Reuß j. L., 15 km im Südwesten von Schleiz, ehemals Residenz und Sitz der Landesbehörden, wie jetzt eines Landrats⸗ und Rentamts, einer Baudirektion und Bezirkssteuerrezeptur. Außer dem schönen Schlosse nebst Park und Hofgärtnerei hat der Ort eine fürstl. Hofkirche mit Familiengruft und eine 1733 entstandene Herrnhutergemeinde nebst Lehr⸗ und Pensionsanstalten für Knaben und Mädchen, sowie eine bedeutende fürstl. Musterwirtschaft. Der Flecken zählt (1880) 911 E., welche Fabrikation von landwirtschaftlichen Maschinen und von Schiefertafeln, Bierbrauerei, Essigsiederei, Ziegelbrennerei und Tabaksfabrikation betreiben und Steinbrüche ausbeuten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 710Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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