FeedLudwigsburg
GeschichteBrockhaus 1882

Ludwigsburg, die zweite Residenz des Königreichs Württemberg, im Neckarkreise, 14 Km von Stuttgart, Station der Linien Bretten-Friedrichshafen und L.⸗Beihingen der Württembergischen Staatsbahnen, ist Sitz der Kreisregierung, der Generalsuperintendenz, eines Oberamts, eines Amtsgerichts und eines Kameralamts, bedeutender Garnisonsplatz, hat gerade Straßen, sieben öffentliche Plätze, acht Thore, drei Kirchen, eine Synagoge, ein Lyceum, eine Realanstalt, gewerbliche Fortbildungsschule, Frauenarbeitsschule, höhere Töchterschule, eine Kinderheilanstalt, eine Augenklinik, ein großes Zuchthaus, viele Kasernen und eine große Feldbäckerei. Das prachtvolle, unbewohnte königl. Schloß enthält 400 Zimmer, eine Reaenten uehit mit den Bildern aller württemb. iegenten nebst einem großen Teile ihrer Gemahlinnen, einen Ritter-oder Ordenssaal, eine Ordenskapelle, eine Gemäldegalerie, ein Theater, den ehemaligen Festinsaal und die fürstl. Gruft. Das Schloß ist umgeben von reizenden Gartenanlagen, in denen sich die künstlichen Ruinen der Emrichsburg befinden. Nahe dabei die Villa Marienwahl, Wohnung des Prinzen Wilhelm von Württemberg. Die Kastanien⸗ und Lindenalleen sind eine Hauptzierde der Stadt. Auf dem Friedhof ist das Grabmal der Frau Prinzessin Wilhelm von Württemberg und die von König Friedrich erbaute Zeppelinsche Grabkapelle, in derselben eine Marmorstatue von Dannecker; ferner ein schönes Kriegerdenkmal. Die 16 100 (1880) E. unterhalten Goldrahmen⸗, Uhren⸗, Korset⸗, Blechwaren-, Drahtwaren⸗-, Cichorien⸗, Orgel- und Pianofortefabriken, Webereien und Bierbrauereien. L. wurde 1706 von Herzog Eberhard Ludwig erbaut und ist der Geburtsort von David Strauß, Ed. Mörike, Justinus Kerner und Fr. Vischer. In den Umgebungen sind die Lustschlösser Monrepos an einem künstlichen See mit Gartenanlagen und drei Inseln, das Favoritenschloß an der Straße nach Marbach mit großem Park und die Solitude mit schönem, 1763 angelegtem Schloß, sowie Hohenasperg (s. d.) und die Erziehungsanstalt Karlshöhe für arme verlassene Kinder, mit Diakonenanstalt und Männerkrankenhaus. Vgl. Henle, «Württemb. Lustschlösserv (Bd. 1, Würzb. 1846.) [= 15 Mark.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 236Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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