Eßling, Fürst von, s. Masséna (Andre). Eßilingen, ehemals schwäb. Freie Reichsstadt, im württemb. Neckarkreise, Landgerichtsbezirk Stutt-Meer in freundlicher Gegend in 234 m über dem eere, rechts am Neckar, über welchen eine 1286 erbaute und 1838 restaurierte, 26,3 melange Brücke führt, und an der Hauptlinie Bretten-Stuttgart-Ulm-Friedrichshafen der Württembergischen Staatsbahn, 14 km im OSdO. von Stuttgart, ist Sitz eines Amtsgerichts, eines Oberamts, eines Landwehrbezirkskommandos (2. Bataillon 8. württemb. Landwehrregiments Nr. 126), eines Hauptsteueramts, hat ein evang. Schullehrerseminar mit Taubstummenanstalt, ein Lyceum (Gymnasium), eine Realschule zweiter Ordnung, eine Gewerbebank, einen Konsum⸗ und Sparverein, eine Rettungsanstalt, ein jüd. Waisenhaus, ein sehr reiches Hospital, und zählt (1880) 20 758 meist evang. E. nur 1376 Katholiken und 166 Juden). E. ist en, deren Erbauer 1216 Kaiser Friedrich II. war. Unter den Baulichkeiten des Ortes zeichnen sich aus: das alte, 1430 erbaute Rathaus, einst das Steinerne Hauso genannt, mit einer jetzt zum Teil auf das neue Rathaus (ehemals Schloß des Grafen Alexander von Württemberg) übertragenen künstlichen Uhr, das frühere Gerichtshofgebäude für den Neckarkreis, die alte ehemalige kaiserl. Burg Perfried (auf einem Hügel nördlich von der Stadt) mit stattlichem Eckturm, das Wolfsthor von 1216 mit den in Stein ausgehauenen hohenstaufischen Löwen, das im altdeutschen Stil 1882 renovierte Haus der e w W. Bausch, die Dionysius⸗ (Stadt⸗) Kirche mit zwei Türmen, eine Basilika im übergangsstil, im 11. Jahrh. gegründet, im 14. und 15. zum Teil umgebaut, mit schönem Lettner und einem Sakramentshäuschen im Chor von 1486, die (kath.) St. Paulskirche, 1268 im frühgot. Stile vollendet, und namentlich die Liebfrauenkirche, ein Prachtgebäude im reinsten got. Stil, 1406—1522 von Ulrich von Ensingen und seinen Söhnen und der Familie Böblinger, den Erbauern des Ulmer Leitung im Innern restauriert; sie hat treffliche Skulpturen an den drei Portalen (im 91e Girsdes Südportals das Jüngste Gericht), schöne Glasgemälde im Chor und neben der Orgelbühne die Grabsteine zweier Baumeister der Kirche, Hans und Matthäus Böblinger; der schöne durchbrochene Turm, 1520 vollendet, hat 75 m Höhe, ist auf 267 Stufen zu erreichen und gewährt eine prächtige Aussicht auf die Stadt, das Neckarthal und die Alb. Vgl. Pfaff, «Geschichte der Frauenkirche in E. (Cßling. 1863). Auf der mit Anlagen versehenen Maille, einer Insel im Neckar, ist dem Historiker Karl Pfaff (gest. 1866) eine Erzbüste errichtet. Außer bedeutendem Obst⸗, Gemüse⸗ und Weinbau bestehen in E. gegen 60 Fabriken, namentlich in Tuch, Handschuhen, Neusilberwaren, Senf, Firnis, Knöpfen, lackierten und silberplattierten Waren, Holzgalanteriewaren, eine bedeutende Maschinensabrik, die größte Württembergs, und Maschinenreparaturwerkstätte, eine Fabrik moussierender Neckarweine (Champagner), eine Kammgarn⸗ und eine Baumwollspinnerei und ⸗Weberei mit 45000 Spindeln. In der Nähe liegt in ländlicher Abgeschiedenheit die Irren⸗ und Wasserheilanstalt Kennenburg und das ehemalige Kloster, jetzt königl. Lustschloß und Gestüt Weil, mit trefflicher Viehzucht. — E. UHetsilinga, Ezzelingin im Mittelalter) wurde um die Mitte des 8. Jahrh. gegründet, gehörte in der ältesten Zeit zum Neckargau des Herzogtums Schwaben und war schon 1077 ummauert, als Rudolf von Schwaben hier eine Versammlung seiner Anhänger hielt, infolge dessen es Heinrich IV. zänzlich zerstörte. Unter dem Schutze der Hohensansen gedieh der Ort jedoch wieder schnell und erhielt 1209 von Kaiser Otto IV. die Rechte einer Freien Stadt des Reichs, welche 1216 von Kaiser Friedrich II. befestigt wurde und zur Niederschwäbischen Landvogtei gehörte. Hier wurde 1488 der Schwäbische Bund errichtet; auch bestand hier bis 1733 eine reichsfreie Ritterschule, und 1567 und 1571 ward der Pest wegen die Universität von Tübingen 1050 1 verlegt. Der Reformation schloß sich E. chon 1531 an, und seine Blüte wuchs von Jahr zu Jahr. Schwere Zeiten brachen aber im Dreißigjährigen Kriege herein. Im J. 1796 fand hier ein Treffen zwischen den Franzosen unter Moreau und den Osterreichern statt. Die fortwährenden Fehden mit dem Hause Württemberg, welches das Reichsschultheißenamt in der Stadt besaß, endigten 1802, als Stadt und Gebiet dem Herzogtum Württemberg zugeteilt wurde. Vgl. Pfaff, Geschichte der Reichsstadt C.» (2. Aufl., Eßling. 1852). — Außer der bereits obengenannten Irrenanstalt Kennenburg und der Hofdomäne Weil gehören noch zur Gemeinde Eßlingen die Orte: Mettingen am Neckar mit 779 E., großer Kirche und Baumwollspinnerei, Liebersbronn mit 414 C., Wäldenbronn nit 495 CE., Serach mit Schloß Hohenkreuz, Rüdern mit 537 E. Alle diese Ortschaften liegen in den Cßlinger Bergen und treiben berühmten Obstbau. — Das Oberamt Eßlingen zählt auf 138 qkm (1880) 38 231 C. (darunter 32 727 Evangelische, 5210 Katholiken und 167 Juden), mithin 277 C. auf 14km. Das Areal zerfällt der Bodenbenutzung nach in 44/ Proz. Ackerland und Gärten, 24,1 Proz. Hol3⁴ Ef 21,1 Proz. Wiesen und 3,1 Proz. Weingärten. hochdeutscher Liederdichter, wahrscheinlich identisch ricus rector scholarum seu doctor puerorum in E., dichtete unter Rudolf von Habsburg (1273 - 91) Lieder und Sprüche, die nur in der pariser LiederlUch Be Ka erhalten sind und in denen er namentich die Kargheit des Königs scharf geißelt. Er gehört zur Schule Walthers von der Vogelweide.