FeedSchwäbisch-Hall
ErdkundeBrockhaus 1882

Schwäbisch-Hall, offiziell kurzweg Hall, Stadt im württemb. Jagstkreise und Hauptort eines Oberamts und Landgerichts, Station der Linie Heilbronn-Krailsheim der Württembergischen Staatsbahnen, 75 km im Nordosten von Stuttgart, sehr schön in dem tiefen Thale des Kocher, an beiden Seiten des überbrückten Flusses, auf ziemlich unebenem Terrain gelegen, hat (1885) 9126 E. und eine Saline, für welche die Sole seit 1824 aus dem 8 Em südlicher gelegenen königl. Steinsalzwerk Wilhelmsglück hierher geleitet wird. Die Stadt ist altertümlich und meist eng gebaut, hat ein stattliches Rathaus vom J. 1735, fünf Kirchen, darunter die auf einer Terrasse über einer breiten Freitreppe von 53 Stufen imponierend hervorragende Haupt⸗ oder Michaeliskirche aus den J. 1425 — 1527, mit vielen Grabdenkmälern, Holzschnitzwerken etc. und eine 1885 erbaute kath. Kirche. Es besteht zu S. ein Gymnasium, eine höhere Realschule, eine böhere Töchterschule, ein reiches Hospital und ein Solbad in einem 1878 neugebauten Badehause. Auch befindet sich hier ein Zuchtpolizeihaus. Die Bevölkerung betreibt Viehzucht, Fabriken, Handel und Kleingewerbe. Oberhalb der Vorstadt Unter-Limburg liegt die Stammburg der Grafen von Limpurg als Ruine. Das schwäb. Hall ist, wie das sächs. Halle, durch seine angeblich schon von den Römern benutzten Salzquellen groß geworden. Es wird urkundlich 887 erwähnt, gehörte im 11. Jahrh. zum Bistum Regensburg, wurde dann ene Hoden staufische Municipalstadt und machte sich zur Zeit des Interregnums unabhängig. Es blieb freie Reichsstadt mit demokratischer Verfassung, bis es 1802 mit seinem Gebiete (330 àkm mit 20875 C.), zu welchem auch die im fränk. Kreise gelegenen Amter Ilshofen und Vellberg, sowie die jetzt zum Oberamt Krailsheim gerechneten Gemeinden Hohnhardt, Gründelhardt und Oberspeltach gehörten, an Württemberg kam. Die Reformation wurde bereits 1522 durch Berufung von Johann Brenz eingeführt. Am 11. Febr. 1610 wurde hier die 1608 zu Ahausen (s. d.) geschlossene prot. Union erneuert. Vom Münzrecht der Stadt zeugen die hier zuerst geschlagenen Heller. Ungefähr 2 km südlich liegt der Marktflecken Steinbach, ein ehemals wohlbefestigter Ort, und dabei das vormalige Ritterstift Komburg (s. d.). chwabmünchen, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, Bezirksamt Augsburg, auf dem Lechfelde, an der Sinkel (Singold), einem rechtsseitigen Zufluß der Wertach, Station der Linie Pleinfeld⸗-Gunzenhausen-Donauwörth-⸗Augsburg-Buchloe der Bayrischen Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts, zählt (1885) 3003 überwiegend kath. E. und hat eine gewerbliche Fortbildungs- und eine Mädchenindustrieschule, ein schönes Kriegerdenkmal, Strumpf⸗ und Baumwollwarenfabrikation, Bierbrauerei, Käserei, Ziegelbrennerei, Kunstmühle, Malzfabrik und bedeutenden Getreidemarkt. Die got. Marienkirche hat eine flache Holzdecke, welche zu den schönsten Arbeiten der deutschen Tischlerei des Mittelalters gehört. Etwa 5 km östlich von S. liegt das Dorf Unter-Meitingen mit Schloß und dem als Wallfahrtsort stark besuchten Franziskanerkloster Lechfeld.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 536Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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