Darmstadt, Hauptstadt des Großherzogtums Hessen und Residenz des Großherzogs, in der Provinz Starkenburg, an der Main-Neckar-Bahn und an den Linien Mainz-Aschaffenburg, D.⸗Worms und D.⸗Eberbach der Hessischen Ludwigsbahn, ist der Sitz der obersten Behörden des Landes und der Provinz. Die Altstadt ist unregelmäßig gebaut und hat zum Teil enge Straßen; die Neustadt dagegen, welche sich um die alte Stadt herumlegt und mindestens fünf Sechstel der Stadt bildet, besitzt schöne Gebäude, breite Straßen und große Plätze, wie der Luisenplatz (lein regelmäßiges Achteck mit der 40,5 m hohen Denksäule Ludwigs J.) und der Wilhelmsplatz (seit 1879 mit dem Denkmal des Abgeordneten Aug. Metz). Ein Denkmal Liebigs steht am Bahnhof. Unter den vier Kirchen ist nur die kath. Kirche (peine große Rotunde, von Moller erbaut) bemerkenswert. Ein hervorragendes Bauwerk bildet auch die neue Hauptsynagoge. Andere bedeutende Gebäude sind: das Residenzschloß (seit dem Ende des 16. Jahrh. allmählich entstanden und seit 1717 mit einem großen Neubau in franz. Stil erweitert), das alte großherzogl. Palgis, das neue großherzogl. Palais, die Palais der Prinzen Alexander, Karl, das 1770 von Schuknecht erbaute Zeughaus, ehedem als Exercierhaus gebraucht (davor das hess. Landeskriegerdenkmal, errichtet 1879), das Hoftheater (1819 von Moller erbaut, 1871 bis auf die Umfassungsmauern abgebrannt, von 1876 an erweitert und verbessert wieder aufgebaut), der Justizpalast, die Kollegienhäuser, die Kasernen, das Kasinogebäude, der Main-Neckar-Bahnhof, der Ludwigs-Bahnhof, das Bankgebäude, das Polytechnikum, die neue Realschule, das neue Schulhaus der Mittelschule, die Freimaurerloge, das städtische Lagerhaus, der Saalbau, der Marstall u. s. w. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1880) auf 40874, mit dem mit D. zusammenhängenden Dorfe Bessungen auf 48 153. D. hat ein Polytechnikum, ein Gymnasium, zwei ene höhenr eine mit Lehrerinnenseminar verbundene Priv Mädchenschule, viele andere städtische und Privatschulen, sowie eine Handwerkerschule, einen Landesgewerb- und Lokalgewerbverein, „Landwirtschaftlichen Verein, Kunstverein, Historischen Verein, Verein für Erdlunde, Mittelrheinis chen Geologischen Verein, Architektenverein, Handelskammer. Eine Zierde der Stadt bilden die reichen Sammlungen des großherzogl. Museums (Hofbibliothek mit etwa 500000 Bänden und 4000 Handschriften, Gemäldegalerie mit 700 Gemälden, Natturalienkabinett mit vielen wertvollen Fossilien, Sammlungen von antiken und mittelalterlichen Kunstwerken, Waffen, ethnogr. Gegenständen, Münzen, Handzeichnungen, Holzschnitten, Kupferstichen u. s. w.), die Sammlungen des Kabinettsmuseums (Bibliothet von etwa 60000 Bänden, ethnogr. Gegenständen u. s. w.), die große Sammlung hess. ünzen und Medaillen des Prinzen Alexander, die Sammlungen des Mittelrheinischen Geologischen Vereins u. s. w. Die Gewerbindustrie und der Handel in D. sind in steter Zunahme. D. hat eine Reichsbanknebenstelle, eine Bank für Handel und ndustrie, eine für Süddeutschland und eine Volksank. Es bestehen Fabriken für Chemikalien, insbesondere Alkaloide, Maschinen, eiserne Herde, Hüte, Tapeten, Gold⸗ und Silberwaren, Tabak, musikalische Instrumente, Möbel, Knöpfe, Fayenceöfen, Spielkarten etc. Von großer Bedeutung ist der Handel in Wald⸗ und Grassämereien, sowie der Weinhandel. Ganz nahe der Stadt erheben sich die waldigen Vorhöhen des Odenwalds, die längs der hier beginnenden sog. Bergstraße hin in einen von gutgebahnten Wegen durchschnittenen und mit —⁷ Aussichtspunkten versehenen großartigen Park verwandelt sind. Zur großen Annehmlichkeit der Bewohner dienen auch mehrere dem Publikum offen stehende Hofgärten und die schönen Wälder der Umgebung mit dem eine herrliche Rundsicht bietenden Ludwigsturme. Ein neuerrichtetes Wasserwerk versorgt die Stadt mit Trinkwasser aus der Rheinebene. D. wird zuerst in Urkunden des 11. Jahrh. erwähnt; der Ursprung des Namens ist unsicher. Schwerlich hat das kleine Bächlein, heutzutage