Luftballon oder Asrostat (grch.). Da die Luft dem Wasser in Hinsicht der leichten Verschiebbarkeit ihrer Teilchen gleicht und auch wie dieses schwer ist, so muß ein in der Luft befindlicher Körper sich ähnlich wie ein in Wasser untergetauchter verhalten. Dieser Körper muß also stets ebenso viel an seinem Gewicht verlieren, als die von ihm verdrängte Luftmasse wiegt. Er muß ferner, falls er weniger wiegt als die von ihm verdrängte Luft, in der Luft aufwärts steigen, und zwar mit einer Kraft, welche dem Unterschied zwischen dem Gewicht der verdrängten Luftmasse und seinem eigenen entspricht. Die Papierfabrikanten Gebrüder Stephan und Joseph Montgolfier (s. d.) zu Annonay in Frankreich stellten (6. m 1783) zum ersten mal eine vollkommenere Vorrichtung (Ballon) her, welche leichter als die von ihr verdrängte Luft war. Sie füllten nämlich einen großen, aus Papier verfertigten Ballon mit erhitzter Luft, welche wegen ihrer größern Ausdehnung leichter als die kalte ist. Charles in Paris benutzte bald darauf (Aug. 1783) das Wasserstoffgas, das ungefähr 14mal leichter ist als die atmosphärische Luft, um einen L. damit zu füllen. Später hat man nach Greens Vorgang (1836) in Städten, wo Gasbeleuchtung eingeführt, des billigern Preises und der leichtern Beschaffung wegen meistens das Leuchtgas, welches ebenfalls spezifisch leichter als die atmosphärische Luft ist, zur Füllung der L. angewendet. Da ein Ballon erst steigt, wenn seine Hülle und sein Inhalt zusammen weniger wiegen als die verdrängte Luft, so muß ein solcher, der mit einer gewissen Kraft aufsteigen soll, um so größer gemacht werden, je schwerer das Zeug seiner Hülle nebst Belastung und je weniger leicht das zu seiner Füllung verwandte Gas ist. Mit Wasserstoffgas gefüllt, steigt ein dünner Ballon von Kollodium schon bei 2 cem Durchmesser, ein Ballon aus Goldschlägerhäutchen bei 15 em Durchmesser, ein unbelasteter Ballon aus sog. Seidenpapier bei 25 em Durchmesser, während ein Ballon aus Wachstaft einen Durchmesser von mehr als 125 em erfordert. Große Ballons bestehen aus einem eigentümlichen starken Seidentaft (in jüngerer Zeit aus Etoffes de soie chine); sie werden meist in Paris fabrikmäßig er-y zeugt. Gewöhnlich ist ihre Form kugel⸗ oder birnförmig; für die Luftschiffahrt jedoch gestaltet man e sie vorherrschend oval, eigarren⸗ oder fischförmig, um ihren Widerstand nach der Fahrrichtung zu verringern. Da die L. in den höhern Regionen, wegen L der dünnern umgebenden Luft, sich aufblähen, so werden sie, um einem etwaigen Zerplatzen vor⸗ 1 zubeugen, mit einem starken Netz umschlossen, dessen Seilenden beim Montgolfier eine Galerie, beim Charlier eine Gondel für die Mitfahrenden angebracht ist. Die Bewegung der L. nach aufwärts wird durch Auswerfen von Ballast (Sand), nach abwärts dagegen durch Offnen eines am Scheitel des L. angebrachten Ventils, mittels eines durch den Ballon bis zur Gondel reichenden Stricks, bewirkt. Die seitliche Lenkung der L. hat man mit Luftschrauben, Ruder, Segel und Steuer versucht. 5. Luftschiffahrt nebst Tafel.) An starken Seilen gefesselte L. (ballons captifs), sowie öftere freie Ascensionen der L. dienen zur meteorolog. Erforschung höherer Luftschichten. Mittels kleiner an Fäden aufsteigender L. mißt man die Höhen von Höhlen. Über die Verwendung der L. zu militärischen Zwecken s. Aérostiers und Luftschiffahrt.