Luftwurzeln nennt man in der Botanik diejenigen Wurzeln, welche aus oberirdischen Teilen der Pflanzen sich entwickeln und entweder in ihrer ganzen Ausdehnung frei in der Luft herabhängen oder später teilweise in den Boden eindringen. Sie finden sich hauptsächlich an tropischen Gewächsen, die epiphyt auf Bäumen leben. Zahlreiche Arten aus den Familien der Orchideen und Aroideen haben derartige Wurzeln, die bei manchen, z. B. bei einigen Philodendronarten, eine außerordentliche Länge erreichen. Ein sehr ausgedehntes Luftwurzel—⸗ system besitzen die meist in Südamerika einheimischen Arten der Gattung Rhizophora (s. d.), die sog. Mangrove-oder Manglebäume, aus den Ästen derselben treten zählreiche festgebaute Wurzeln hervor, die in das Wasser oder in sumpfigen Boden hinabgehen, und so durch ihr Eindringen in den Schlamm dem ganzen Baume als ein aus vielen Strebepfeilern bestehendes System von Stützwurzeln dienen. Etwas Ähnliches findet sich auch bei den Arten der Gattung Pandanus, deren Stämme ganz oberhalb der Bodenoberfläche sich befinden und nur durch eine Anzahl starker Luftwurzeln im Boden festgehalten werden. (S. Pandanus.) Auch die sog. Klam merwurzeln (s. d.) vieler kletternder Pflanzen sind Luftwurzeln und bewirken durch ihre Fähigkeit, sich den als Stütze dienenden Objekten, Baumstämmen, Mauern, Felsen u. dgl. fest andrücken zu können, ebenfalls eine Befestigung der betreffenden Gewächse.