FeedLully (Giovanni Battista)
MusikBrockhaus 1882

Lully (Giovanni Battista), berühmter Komponist und Schöpfer der franz. Großen Oper, geb. zu Florenz 1633 als der Sohn eines verarmten Edelmanns, kam mit 13 Jahren nach Paris in den Haushalt der Prinzessin von Montpensier, und zwar als Küchenjunge. Durch Geigenspiel offenbarte er zuerst seine musikalischen Anlagen und machte dadurch sein Glück, indem er eine Stelle bei den Vingt-quatre Violons oder der Grande Bande (Hofkapelle) Ludwigs XIV. erhielt. Hier erwarb er sich die Gunst dieses Monarchen durch verschiedene Kompositionen, und 1652 wurde ihm die Leitung einer neuen Musiktruppe, zum Unterschiede von der Grande Bande die Petits Violons genannt, übertragen, mit welcher er als geschickter Dirigent und beliebter Komponist bald den Ruhm der alten Vierundzwanziger verdunkelte. Besonders wandte er seine Thätigkeit in der Komposition den sog. Balletts oder Mascarades bei Hofe zu, die aus Tänzen mit eingestreuten Versen bestanden. L. verband sich 1664 mit Molière und schrieb zu mehrern von dessen Stücken die Musik. Ludwig XIV. übertrug ihm endlich die Oberleitung des gesamten Hofmusikwesens und verlieh ihm zugleich noch verschiedene andere Hofämter. Im J. 1672 erhielt L. das Privilegium zur Errichtung eines Operntheaters (einer sog. Académie royale de musique). L. gab den Franzosen eine eigene nationale Operseine Wirksamkeit erhielt hiermit eine hohe kunstgeschichtliche Bedeutung. Die erste Oper, welche er zur Aufführung brachte, war WLes fétes de I'Amour et de Bacchuso (1672). Dieser folgten 1683—87 noch 16andere, wie lérophon v, PSychér, Phaétono, Armiden u. a., nebst verschiedenen größern Balletten. Diese Opern, mit ihren meist von Quinault verfaßten trefflichen Textbüchern, behaupteten ein Jahrhundert hindurch, bis auf Gluck, in Frankreich den ersten Rang und fanden nur in denen Rameaus gewichtige Nebenbuhler. L. war so fruchtbar als Komponist für die Bühne, daß er fast 20 Jahre lang mit seinen Werken allein das pariser Operntheater versorgte. Seine Musik ist in den Tänzen lebhaft, im Rhythmus mannigfaltig, vollkommen bühnengemäß und durch und durch französisch. Seine sonstige Musik hat geringern Wert, obwohl seine Kirchenstücke in Frankreich ebenfalls hoch im Ansehen standen; eine derartige Komposition führte auch seltsamerweise L.s Tod herbei. Er hatte Anfang 1687 zur Feier der Genesung Ludwigs XIV. von einer Krankheit ein Tedeum geschrieben, bei dessen Aufführung er im Feuer des Taktierens (bei welchem damals mit einem auf den Boden gestoßenen Stabe der Takt markiert wurde) mit dem Stabe auf die Fußzehe stieß. An der Verwundung starb L. 22. März 1687. Seine drei Söhne, Chretien, aim Louis und Louis, haben sich sämtlich durch einige Kompositionen für das Theater bekannt gemacht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 250Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 12

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Musik 6