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ErdkundeBrockhaus 1882

Lund (mittellat. Londinum Gothorum, auch Lundona, Lundia), eine der ältesten Städte des skandinav. Nordens, in der Provinz Schonen, Län Malmöhus, im südl. Teile von Schweden, Station der Linie Falköping-Malmö der Schwedischen Staatsbahn, von welcher hier eine Privatbahn nach Trelleborg abzweigt, auf einer fruchtbaren Ebene gelegen, zählt (1883) 14 349 E. und ist Sitz eines Bischofs und einer Universität. Schon 920 wurde der Ort von einer Vikingerschar nach tapferer Gegenwehr erobert und geplündert. Der Name selbst (soviel als Hain) deutet darauf hin, daß L. von alters her ein religiöser Mittelpunkt für ganz Schonen war. Nach Einführung des Christentums in Dänemark ward die Stadt der Sitz eines Bischofs, der später (1104) als Erzbischof seine Macht über Dänemark, Schweden und Norwegen ausdehnte. Nicht selten Sitz der dän. Könige und als Hauptstadt des dän. Reichs bezeichnet, war L. eine lange Zeit hindurch die größte und reichste Stadt Dänemarks und ganz Skandinaviens. Man zählte außer der Domkirche 22 Parochialkirchen und 7 reichdotierte Klöster und Hospitäler. Doch wurde L. 1452 von dem schwed. Könige Karl VIII. Knutsson überfallen und abgebrannt; nur die Domkirche und die Residenz des Erzbischofs, von diesem verteidigt, entgingen der Verwüstung. Hierdurch geriet die Stadt in großen Verfall, zumal auch 1536 das Erzbistum nach Abschaffung des Katholizismus aufgehoben und der größte Teil der Kirchengüter in Beschlag genommen wurde. Kurz nachher ließ der König die Kirchen und Klostergebäude schleifen. Nachdem 1658 Dänemark die Provinzen Schonen, Blekingen und Halland an Schweden abgetreten, errichtete die schwed. Regierung 1668 eine Universität zu L. Sie zählt jetzt 7800 Studierende. In Verbindung mit derselben steht eine Bibliothek von 150000 Bänden und einigen tausend Handschriften, ein gut eingerichtetes zoolog. Museum, ein vorzüglicher botan. Garten und zahlreiche andere Institute und Sammlungen. Die 1773 begründete Physiographische Gesellschaft hat in neuester Zeit große Thätigkeit entwickelt. Der 1830 zwischen den Studierenden und den jüngern Lehrern gestitete akademische Verein hat 1851 ein eigenes Gebäude gegründet. Der offene Platz vor demselben ist mit einem Denkmal des Dichters Esaias Tegner geziert, welcher 1813 —26 zu L. wohnte und hier den (Frithjof o schuf. Die Domkirche der Stadt, gegen Ende des 11. Jahrh. begründet und 1145 vollendet, ist als die merkwürdigste Probe romanischer Baukunst in Skandinavien zu betrachsten. Sie ist neuerdings in ihrer ursprünglichen Schönheit wiederhergestellt worden. Außer der Universität hat L. eine sehr besuchte Domschule und ein Volksschullehrerseminar für das Bischofsstift L., das volkreichste und größte Schwedens. In unmittelbarer Nähe der Stadt befindet sich eine ansehnliche Taubstummenanstalt und eine große Irrenanstalt. Bei L. wurden 1525 die schonischen Bauern, die Sache des vertriebenen Königs Christian II. verteidigend, von den Anhängern des dän. Königs Friedrich L. besiegt, und 1676 verhinderte hier ein blutiger Sieg des jungen schwed. Königs Karl XI. den von den Dänen gemachten Versuch, die im Roeskilder Frieden verlorenen Provinzen wieder zu erobern. Der darauffolgende Friede wurde 1679 zu L. geschlossen. Auf dem Schlachtfeld bei L. steht das 1876 von den skandinav. Völkern errichtete Versöhnungsdenkmal.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 251Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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