Lydien, eine Landschaft an der Westküste Kleinasiens, die im Süden durch das Gebirge Messogis gegen Karien begrenzt, östlich an Phrygien und nördlich an Mysien grenzte, wurde in frühester Zeit Mäonien genannt, bis die ursprünglichen Bewohner, die indogerman. Mäoner, von den eingewanderten Lydiern, einem semit. Völkerstamme, unterworfen wurden. Obgleich mehrfach von Gebirgen durchzogen (unter denen Tmolos und Messogis, beide reich an trefflichen Weinen, die bedeutendsten sind), hat sie einen meist fruchtbaren, ja üppigen Boden; auch war sie im Altertum reich an Gold, das man aus dem Paktolos (einem Nebenflusse des Hermos) und den Bergwerken des Tmolos gewann und aus welchem die ersten Münzen geschlagen wurden. Unter den Flüssen waren der Hermos und der Kaystros die größten; in der Nähe von Sardes befand sich der See Gygäa (jetzt Mermere). Die bedeutendsten Städte waren, abgesehen von den ion. Pflanzstädten an der Küste, Sardes, Magnesia, Thyatira, Apollonia und Philadelphia. Die Geschichte des Landes gliedert sich nach den drei einander folgenden Dynastien der Atyaden, Herakliden und Mermnaden (letztere (712 542 v. Chr.), deren beide erste völlig der Mythe angehören. Unter den Mermnaden, durch welche L. zur höchsten Macht gelangte, zeichneten sich Gyges, Alyattes, welcher um 590 v. Chr. gegen die Meder kämpfte, und dessen Sohn Krösus (s. d.) aus, der zwar ganz Kleinasien bis zum Halys eroberte, dann aber, als er auch diesen Fluß überschritt und das benachbarte Persische Reich angriff, durch den ältern Cyrus (s. d.) 542 v. Chr. seiner Herrschaft verlustig wurde. Die pers. Herrscher vernichteten systematisch den alten kriegerischen Geist des Volks, das nun bei dem Reichtum des Landes bald in arge Üppigkeit und unmännliche Weichlichkeit verfiel; indes blieb Handel und Industrie H— lange in hoher Blüte, besonders die Kunst, kostbare Kleider und Teppiche zu fertigen, Wolle zu färben, Erze zu schmelzen, wie auch die Einführung von Gold- und Silbermünzen und der Gebrauch des sog. Lydischen Steins, d. h. des Kieselschiefers (s. d.), als Probierstein von L. ausing. Auch trug eine der Haupttonarten der griech. usik, von überwiegend weichem, elegischem Charakter den Namen der Lydischen Tonart. Von Denkmälern lydischer Kunst aus den Zeiten, wo griech. Geschmack ihre Formen noch nicht bestimmte, sind nur Grabdenkmäler, meist lydischer Könige, in Form runder, oben spitzer Grabhügel, tumuli, erhalten. Vgl. Steuart, Description of some ancient monuments still existing in Lydia and Phrygia o (Lond. 1843); Texier, Description de P'Asie mineure (Par. 1838); Olfers, cüber die lydischen Königsgräber bei Sardes» (Berl. 1859).