Lykurgos, bedeutender athenischer Staatsmann und Redner, der Sohn des Lykophron, aus dem alten Geschlecht der Eteobutaden, war nach 396 v. Chr. in Athen geboren. Vorgebildet durch rhetorische und philos. Studien unter Leitung des Isokrates und Platon, widmete er sich mit glühender Vaterlandsliebe dem Dienste des Staats und gehörte später zu den angesehensten Vertretern der antimacedon. Partei. Im Jahre der Schlacht bei Chäronea (338) trat er als Vorsteher der öffentlichen Einkünfte an die Spitze der athenischen Zinanzverwaltung, welches Amt er während dreier Finanzperioden (12 Jahre lang) mit ausgezeichnetem Erfolg verwaltete. Zugleich förderte er durch bedeutende Bauunternehmungen die Sicherheit und den Glanz seiner Vaterstadt. Er starb 324. Von seinen 15 Reden, welche man im Altertum von ihm besaß, ist nur eine (gegen Leokrates wegen Vaterlandsverrat, gehalten 330 erhalten, die bei tiefem sittlichen Ernst der Gedanken Mangel an Glätte und an Anmut des Ausdrucks zeigt. Sie ist, außer in den Gesamtausgaben der griech. Redner von Bekker, Baiter und Sauppe und Müller, häufig (mit oder ohne die Fragmente) herausgegeben, von Baiter und Sauppe (Zür. 1834), Mätzner (Berl. 1856) und Scheibe (Spz. 1853); übersetzt (mit griech. Text) von Jenicke (Lpz. 1856), Teuffel (Stuttg. 1865) und Bender (Stuttg. 1870). Die Bruchstücke der verlorenen Reden sind gesammelt von Kießling (Halle 1847, nebst Abhandlung über L.' Leben von Meier).