FeedElegie
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Elegie, bei den Griechen Bezeichnung für jedes in Distichen, d. h. in der Abwechselung von Hexametern und Pentametern verfaßte Gedicht. Dieses Versmaß bedingt ihr Wesen. Es ist Aufsteigen der Empfindung und Verhauchen und Schwinden derselben. Das Gemüt ist noch ganz in seinen Zustand versenkt und beginnt doch schon, ihn zu betrachten und sich frei über ihn zu erheben; neben der Darstellung der tiefsten Leidenschaft liegt zugleich ein Zug lehrhafter Beschaulichkeit. An diesem Sinne aben die griech. und röm. Elegiker immer festgealten und in ihm sind auch Goethes Römische Elegieno und Schillers «Spaziergang gedichtet. Es lag aber nahe, daß sich in der gesteigerten Sentimentalität der neuern Zeit sehr bald in den Begriff der E. der Begriff des Klageliedes einschlich. Weil der mildere Pentameter Abschied nimmt von dem hastig aufstrebenden Leben des Hexameters, kommt ganz von selbst, auch schon ei den Alten, nicht selten in diese Betrachtung die Klage über ein verlorenes schönes Gut; ein leiser Klang der Wehmut erzittert mitten im Singen von das demsd Gegenwart. Daher ist es gekommen, aß die moderne E., je mehr sie die lyrische Stimmung an die Stelle epischer Erzählung oder Beschaulichkeit treten ließ, sich auch allmählich von dem maßgebenden Rhythmus des Hexameters und Pentameters losgesagt hat und zu rein lyrischen Versmaßen m Reim aus ist. Tönt die C. ihre Stimmung im Reim aus, so geht sie oft gänzlich in das Lied (s. d.) über.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 945Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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