FeedMachias
ErdkundeBrockhaus 1882

Machias, Einfuhrhafen und Hauptort von Washington County im nordamerik. Staat Maine, an der Machiasbai, zählt (1880) 2203 E., welche vWrachlan Holzhandel und Schiffbau treiben. Geschichtschreiber, geb. 1469 zu Florenz, aus einem edeln, aber armen Geschlecht stammend, wurde im Juli 1498 zum Sekretär der Kanzlei des Rats der Zehn ernannt und in dieser Eigenschaft zu wichtigen diplomatischen Sendungen gebraucht, die ihn in die Romagna zu Cesar Borgia, wiederholt nach Rom, einmal nach Frankreich, durch den größten Teil Italiens führten, daneben war er auch mit der Bildung eines nationalen Kriegswesens an Stelle der Soldtruppen beschäftigt. Seine amtliche Thätigkeit nahm ein Ende, als 1512 infolge der Wiederaufnahme der 1494 vertriebenen Medici das florentin. Staatswesen eine andere Gestalt annahm. Bald darauf kam M. in den Verdacht der Teilnahme an einer Verschwörung gegen Kardinal Giovanni de' Medici und wurde deshalb eingekerkert und der Tortur unterworfen, welche er, sowie die darauffolgende Verweisung aus der Hauptstadt mit Standhaftigkeit ertrug. Erst nachdem der Kardinal 1513 als Leo X. den päpstl. Stuhl bestiegen, durfte M. in seine Vaterstadt zurückkehren und wurde Ratgeber des Kardinals Giulio Medici, der in Leos X. Namen Florenz verwaltete. Der Verdacht, in welchen M. bei einer neuen Verschwörung gegen die Mediceer kam, entfernte ihn abermals von aller Beteiligung an öffentlichen Dingen, und erst nachdem Giulio Medici als Clemens VII. 1523 Papst geworden, erhielt er wieder, jedoch nur unbedeutende Aufträge. Er starb zu Florenz 22. Juni 1527. Unter seinen schriftstellerischen Arbeiten kommen zunächst seine erst in neuester Zeit vollständiger bekannt gewordenen Gesandtschaftsberichte in Betracht, die von großem Scharfblick zeugen und zu den wichtigsten diplomatischen Aktenstücken gehören. Hieran schließen sich seine in freier Muße verfaßten Werke, die sich guch durch eine kunstvolle Schreibart auszeichnen. Zu diesen gehören: die Komödien, wie es der Zeitgeschmack forderte, der Antike nachgeahmt; ferner die für Papst Clemens VII. verfaßten Istorie fiorentine 1215— 1492 5 (Flor. 1532, deutsch von Neumann, Berl. 1809, und Reumont, Lpz. 1844, sein Hauptwerk, eins der vorzüglichsten Muster edler ital. Prosa; endlich die Arbeiten, durch welche er am berühmtesten geworden, seine polit. Schriften, die Discorsiv, die Arte della guerray und der Principebv. In den Discorsi sopra la prima decade di Tito Livio (Vened. 1532 u. öfter; deutsch von Grüzmacher, Berl. 1871), zwischen 1518 und 1522 geschrieben, beschränkt sich M. nicht auf den Inhalt der im Titel genannten Geschichtsbücher, sondern zieht allerlei geschichtliches Material herbei, um an Beispielen zu zeigen, durch welcherlei Maßregeln und Staatsmaximen ein Staat stark und mächtig werden müßte; die europ. Staaten seien verderbt, besonders die italienischen, nur durch unbeschränkte Gewalt eines tüchtigen Fürsten sei noch Rettung möglich. In der (Arte della guerra hat M. das Kriegswesen der Römer den modernen Staaten zur Nachahmung anempfohlen. all Principes (Vened. 1515 u. öfter; deutsch unter andern von Rehberg, Hannov. 1810, 2. Aufl. 1824, und von Eberhard, 2. Aufl., Berl. 1873) ist an Lorenzo dei Medici gerichtet, den Neffen Leos X. An den oft willkürlich gefärbten Beispielen eines Cesare Borgia, eines Ludwig XII., sucht M. zu zeigen, wie unbeschränkte Fürstenmacht gegründet und erhalten werden könne. Dieser Zweck müsse verfolgt werden, gleichviel mit welchen Mitteln; denn die Schlechtigkeit der Menschen rechtfertige jedes Mittel, wenn nur Italien, welches darauf harre, von seinen Wunden geheilt und aus der Hand der Barbaren gerettet zu werden, endlich wieder stark und groß werde. Dies ist der wahre Sinn des Principer, eines Buchs, welches ebenso wie M.s moralischer und polit. Charakter überhaupt eine beinahe unabsehbare Litteratur, von Friedrich d. Gr. an (in seinem Anti-Macchiavelo) bis auf Ranke, Gervinus und Macaulay und nach ihnen viele andere, veranlaßt hat. Sammlungen von M.s Werken erschienen zuerst 1550 und öfter; dann zu Florenz 1813 (8 Bde.), 1826 (10 Bde.) und in Einem Bande 1843; eine neue, nach den Handschriften des florentiner Archivs vielfach vermehrte Ausgabe veranlaßten P. Fanfani, G. Milanesi und L. Passerini (Flor. 1873 fg.). Deutsch übersetzt wurden sie von Ziegler (8 Bde., Stuttg. 1832—41). Ein Band amtlicher Schriften, herausgegeben von Canestrini, erschien zu Florenz 1858. M.s Denkmal wurde 1787 in der Kirche Sta.⸗Croce zu Florenz errichtet. Vgl. Artaud, «M., son génie et ses erreurs (Par. 1833); Gioda, «M. e le sue opere (Flor. 1874); Nourisson, Machiavellid (Par. 1874); Nitti, «M. nella vita e nelle dottrine studiatoy (Bd. 1, Neap. 1876); Villari, Niccolò M. e i suoi tempi v (3 Bde., Flor. 1877 fg.; deutsch von Mangold, Lpz. 1877—83, mit einer Reihe ungedruckter Schriftstücke); Amico, «La vita di Niccolò M.v (Bd. 1, Flor. 1877); Tommasini, «La vita e gli seritti di N. M. nella loro relazione col Machiavellismop (Bd. 1, Tur. 1883). NMachina (lat.), Maschine.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 307Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6