FeedMagen (ventriculus, stomachus)
Haus & KücheBrockhaus 1882

Magen (ventriculus, stomachus), die sackartige Erweiterung des Darmkanals zwischen der Speiseröhre und dem Dünndarm, in welcher die eingeführten Nahrungsmittel längere Zeit zurückgehalten, mit den Absonderungen der Magendrüsen innig gemischt und so zum großen Teil gelöst und resorbierbar gemacht werden. Der M. liegt quer im obern Teile der Bauchhöhle unmittelbar unter dem Zwerchfell hinter der sog. Ragengrube und wird auf der rechten Seite zum Teil vom linken Leberlappen bedeckt. Unter ihm liegt das mittlere Stück des Quergrimmdarms, hinter ihm das Pankreas, links die Milz. Die in der Mittelebene des Körpers gelegene Speiseröhre mündet nicht in das äußere linke Ende des M., sondern mehr rechts, sodaß links von der Eingangsöffnung des M., dem sog. Magenmunde (cardia) noch ein blindsackförmiges Stück des M., der Magengrund (fundus ventriculi) gelegen ist. (S. die Tafel: Die Baucheingeweide des Menschen, Fig. 1, 1—4.) An der in den Dünndarm (Zwölffingerdarm) führenden Offnung des M. befindet sich ein starker, ringförmiger Muskel, welcher die Offnung zu verschließen im Stande ist; diese Mündung des M. heißt der Pförtner (pylorus). In natürlicher Lage hat der M. des Menschen annähernd eine halbmondförmige Gestalt, mit nach unten gerichteter Krümmung. Der untere Magenrand ist länger als der obere und wird die längere Krümmung (Curvatura major) genannt, der obere Rand heißt die kürzere Krümmung (curvatura minor). Die Häute des M. bestehen wie die des ganzen übrigen Darms (s. d.) aus einem äußern zarten serösen überzug, welcher einen Teil des Bauchfells bildet, einer mittlern, aus längs und aus quer verlaufenden Fasern bestehenden Muskelschicht und einer innern, samtartig weichen blutgefäßreichen Schleimhaut, der sog. Magenschleimhaut, als deren wichtigster Bestandteil die zahllosen Lab⸗ oder Pepsindrüsen (landulae digestivae), kleinste einfache cylindrische Schläuche hervorzuheben sind, in welchen das wirksame Sekret des M., der Magensaft (succus gastricus), abgesondert wird. Die verschluckten Speisen verweilen im M. längere Zeit (nach einer vollen Mahlzeit mehrere Stunden) und erleiden hier diejenige wichtige Veränderung, welche man als Magenverdauung bezeichnet. Das Stärkemehl der pflanzlichen Nahrungsmittel wird, wenn hinlänglich Speichel mit verschluckt worden, in Zucker übergeführt, die Eiweißkörper aber durch den Magensaft in die lösliche Form übergeführt, in welcher allein sie in das Blut gelangen können. Diese eigentümliche Wirkung verdankt der Magensaft einem sog. Gärungserreger, dem Pepsin, welches seine Thätigkeit unter Mitwirlung der im Magensaft zugleich vorhandenen freien Säure Milchsäure, Salzsäure) entfaltet. Die Verdauungsprodukte der Eiweißkörper heißen Peptone. Beim Austritt aus dem M. bildet die veränderte Speisemasse einen dünnen, sauren Brei, den Speisebrei oder Chymus, welcher im Dünndarm weitern chem. Umwandlungen anheimfällt. Die Einwirkung des Magensaftes auf alle tierischen Substanzen ist so stark, daß durch ihn der M. des lebenden Tiers selbst verdaut werden würde, wenn er nicht beständig durch das in den Haargefäßen der Magenschleimhaut cirkulierende alkalische Blut neutralisiert würde; in den Leichen dagegen, in welchen diese Neutralisation fehlt, findet sich der M. öfters durch seine eigene Thätigkeit zerstört (sog. Magenerweichung). Von der beschriebenen Form ist der M. bei allen Säugetieren, mit Ausnahme der Zweihufer (Wiederkäuer), welche vier hintereinander gelegene M. besitzen. (S. Wiederkäuer.) Bei den körnerfressenden Vögeln ist der M. mit kräftigen Muskelwandungen und zwei festen hornigen Reibplatten ausgestattet, welche der mechan. Bearbeitung der vorher erweichten Nahrungsmittel dienen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 330Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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