FeedMagelone
GeschichteBrockhaus 1882

Magelone oder Maguelonne ist in der Dich tung die Tochter eines Königs von Neapel. Vor dem Rufe ihrer Schönheit angelockt, begibt sic Peter, der Sohn des Grafen von Provence, ar den Hof ihres Vaters und gewinnt als der unbekannte Ritter mit dem silbernen Schlüssel alle Preise im Turnier und ihr Herz. Als sie einen andern heiraten soll, entführt er sie. Unterwegs raubt ihr während des Schlafs ein Raubvogel den roten Zindel, worin sie drei ihr von Peter geschenkte Ringe verborgen hatte. Peter eilte ihm nach, besteigt einen Kahn, als der Vogel Übers Meer fliegt, fällt den Türken in die Hände und wird des Sultans Sklave. Als M. beim Erwachen ihren Geliebten nicht findet, geht sie nach der Provence, wo sie auf einer kleinen Insel von ihren Schätzen eine Kirche und ein Spital baut und Kranke pflegt. In eben dieses Spital gelangt Peter, nachdem er wieder frei geworden, und nun erst werden die Liebenden vermählt. Auf der M. genannten Insel wurden beide begraben. Die Kirche steht noch. Diese Dichtung wird auf einen Stiftsherrn jener Kirche, Bernard de Treviers (etwa 1178), zurückgeführt, der aber nur ein erfundener Gewährsmann des Verfassers des franz. Prosaromans (zuerst 1457 gedruckt) und des Erfinders des Stoffs ist. Der Roman wurde fast in alle europ. Sprachen übersetzt. Das deutsche Volksbuch „Von der schönen Magelona», durch Magister Veit Warbeck bearbeitet, erschien zuerst zu Augsburg 1536, wieder abgedruckt in Marbachs und in Simrocks und Schwabs «Deutschen Volksbüchern »; dramatisiert wurde die Sage von Hans Sachs und von Tieck in «Leberechts Volksmärchen» bearbeitet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 330Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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