Mahäbhärata, das große Nationalepos der Inder, bietet in seinem gegenwärtigen Umfange, welchen es jedenfalls erst mehrere Jahrhunderte n. Chr. erreicht hat, etwa 100 000 Doppelverse (eloka, zu 32 Silben), eine wahre Encyklopädie alles für einen Fürsten Wissenswerten, während sich darin selbst noch die Nachricht erhalten hat, daß es früher nur 8800 Verse zählte. Und zwar bezieht sich dieser Kernteil des Werks auf die Kämpfe zweier nahe verwandter Fürstengeschlechter, der Kuru und der Pandava, um die Oberherrschaft in einem in der Mitte Hindostans gelegenen kleinen Reiche. Als ihre eigenen und ihrer Väter Freunde oder Feinde werden hierbei mehrfach Havana-Fürsten genannt, woraus sich für die Abfassung der betreffenden Stellen das Vorhandensein direkter Beziehungen zu den Griechen als notwendige Voraussetzung ergibt. Die Haupthelden des Werks sind Duryodhana, der Sohn des blinden Königs Dhritarashtra, Drona, Karna, Salya auf der einen, Yudhishthira, Bhima, Ardschuna auf der andern Seite. Die letztern drei, alle Söhne des Pandu, haben in Gemeinschaft mit noch zwei andern Brüdern eine gemeinsame Frau, die Draupadi, deren Beschimpfung durch Duryodhana, sowie die Rache dafür zu den effektvollsten Teilen der Darstellung gehört. Um die Kritik des Werks haben sich besonders Lassen (in Bd. 1 seiner „Ind. Altertumskunde v, 2. Aufl., Bonn 1866) und Holtzmann (Ind. Sageno, 2. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1854) verdient gemacht, neuerdings auch A. Holtzmann der Jüngere (aliber das M.v, Karlsr. 1881; Küber das altind. Eposo, Durlach 1881) und besonders Soren Sorensen (Om Mahabharats Stilling i den Indiske Literaturoꝰ, Kopenh. 1883). Eine Ausgabe in vier Bänden erschien in Kalkutta 1834—39, eine zweite 1863 in Bombay mit dem Kommentar des Nilakantha, eine dritte in Burdwan 1862 —- 65. Hippolyte Fauches unvollendet gebliebene übersetzung (10 Bde., Par. 1863—72) ist nur mit größter Vorsicht zu benutzen. Auch Talboys Wheelers 4History of India, Vedic period and the Maha Bharata o (Lond. 1867) beruht weniger auf dem Originaltext, als auf einer pers. übersetzung desselben (unter Hinzuziehung von Stücken aus dem sog. Dschaimini Bharata). Mannigfache Episoden daraus sind durch Pavie (Par. 1844), Foucaux (Par. 1863), insbesondere aber durch Bopp(Nalusv, 3. Aufl. 1868; «Ardschunas Reise zu Indras Himmelo, 2. Aufl. 1868; „Diluvium, 1829) publiziert und übersetzt worden. Auch das philos. Lehrgedicht Bhagavadgitän (s. d.) bildet eine Episode der M. Mahäbhäshya heißt im Sanskrit der große Kommentar des Patandschali zu Paninis Grammatik, dessen Abfassungszeit unbestimmt ist, jedenfalls aber in die ersten nachchristlichen Jahrhunderte fällt. Das M. ist bereits mehrfach von ind. Gelehrten herausgegeben; von der Kielhornschen Ausgabe sind drei Bände erschienen (Bombay 1880— 84). Der erste Abschnitt ist deutsch übersetzt von O. A. Danielsson in der KZeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschafto, Bd. 37. Eine sehr gründliche Abhandlung über das M. gibt Weber, „Ind. Studieno (Bd. 13). (Vgl. Indische Grammatik und Sanskrit.)