Maharatten oder Mahratten, ein arisches Hinduvolk in dem mittlern Teile Vorderindiens, die Gebirge von Gwalior bis Goa bewohnend und wahrscheinlich aus verschiedenen ältern, von den Mongolen aus dem eigentlichen Hindostan vertriebenen Völkerschaften entsprungen, trat erst um die Mitte des 17. Jahrh. in der Geschichte auf, wo der Abenteurer Sewadschi, gest. 1680, sie zu einem Staate vereinigte, den er und seine Nachfolger durch Eroberungen, besonders im Reiche des Großmoguls, zu einem mächtigen Reiche von 1540000 akm Fläche erweiterten. Die Untüchtigkeit seiner Nachfolger, welche den Titel Ram-⸗Radscha (Oberkönig) führten und in Satarah regierten, bewirkte, daß der Peischwa (erster Minister) Badschiro den Ram-Radscha gefangen setzte und sich des westl. Teils des Maharattenlandes bemächtigte, wo er in Puna einen unabhängigen Staat bildete, während sein Kollege Ragodschi den östl. Teil nahm und den Staat der Berar-⸗M. daselbst gründete. Badschiro, der 1750 starb, machte das Reich von Puna und den Fürstentitel Peischwa in seiner Familie erblich. Diese Teilung des Maharattenreichs konnte aber nicht ohne Einwilligung der Großen und Statthalter desselben geschehen, die deshalb mit Vermehrung ihrer Einkünfte und Macht bedacht wurden. Die Folge davon war, daß das Reich in eine Menge ziemlich unabhängiger Vasallenstaaten zerfiel und nach dem Aussterben der Dynastie der Ram-Radschas 1777 nur durch einen aus zwölf Brahminen bestehenden hohen Rat, der dem Peischwa die vollziehende Gewalt ließ, zusammengehalten wurde, also einen Bundesstaat bildete. Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrh. brachen unter den Maharattenfürsten langwierige Kriege aus, welche sich die Englisch-Ostindische Kompagnie zu Nutze machte. Nachdem schon früher mehrere Provinzen an die Engländer abgetreten waren, wurden von diesen nach einem blutigen Kampfe 1817 und 1818 die letzten Überreste des Maharattenreichs unterworfen und ihre Herrscher zu engl. Vasallen gemacht; nur Rao-Seindia bewahrte die Unabhängigkeit bis zu seinem Tode. Als die Witwe desselben einen Knaben adoptierte, den auch die Engländer als Herrscher anerkannten, kam der Haß gegen dieselben unter der schwachen Weiberregierung wieder zum Ausbruch. Es kam zum Kriege mit den Engländern, den die beiden 29. Dez. 1843 gelieferten blutigen Schlachten von Hingolah (bei Maharadschpur und bei Puniar oder am Antripaß) beendigten. Die erstere lieferte der engl. Obergeneral Sir Hugh Gough, während die M. von den beiden franz. Obersten Baptiste und Jacob befehligt wurden; die andere der engl. General Grey. Die Folge dieser Niederlagen war, daß der Staat des Scindia in die Reihe der der Ostindischen Kompagnie unterworfenen Vasallenstaaten trat, bedeutende Kriegskosten zahlen und sein Heer auflösen mußte. Die M., von festem, starkem Körperbau, mit mehr oder weniger brauner Hautfarbe, sind Hindu und Brahmadiener, von grausamem und treulosem Charakter, abgehärtet und kriegerisch. Die bedeutendsten der den Engländern unterworfenen Maharattenstaaten sind, nachdem 1848 das Land des Maha-Radscha von Satarah infolge des Aussterbens der Dynastie und 1854 ebenso der Staat des Bhunsla von Berar oder Nagpur dem Indo-Britischen Reiche einverleibt worden, jetzt: der Staat des Seindia, der den Titel Maha-Radscha, d. i. Großkönig, führt und in Gwalior residiert, mit 62150 akm und 2½ Mill. CE.; der Staat des Guicowar, der in Baroda (s. d.) residiert, mit 22 195 qkm und 2 Mill. C.; der Staat des Holkar, welcher seine Residenz in der Stadt Indur oder Indore hat, mit 20 913 qkm und 635 450 E.