FeedMai (Angelo)
ReligionBrockhaus 1882

Mai (Angelo), ital. Altertumsforscher und Philolog, geb. 7. März 1782 zu Schilpario in der Provinz Bergamo, lebte anfangs als Jesuit zurückgezogen im Venetianischen, bis er 1813 eine Anstellung als Aufseher bei der Ambrosianischen Bibliothek zu Mailand erhielt. Hierauf wurde er 1819 Custos der vatikanischen Bibliothek in Rom, dann Bibliothekar, 1825 überzähliger apostolischer Protonotar, später Präfekt der Kongregation des Inder und 1838 Kardinal. Er starb 9. Sept. 1854 zu Albano bei Rom. M. begründete seinen wissenschaftlichen Ruf durch Bekanntmachung einer großen Anzahl von Schriften des griech. und röm. Altertums, die er nicht bloß in gewöhnlichen Handschriften, sondern insbefondere auch in Palimpsesten (s. d.) zuerst entdeckte. Zu seinenfrühern Entdeckungen gehörendie Bruchstücke der Reden Ciceros cpro Scauro, Tullio, Flaccoß und ain Clodium et Curionemo, die er später auch vereint herausgab (Mail. 1817); ferner einige Reden des Cornelius Fronto, mehrere Briefe der Kaiser Mare Aurel und Lucius Verus und andere kleinere Überreste (Mail. 1815; 2. vermehrte Ausg., Rom 1823); Fragmente des Plautus, besonders aus der Vidulariao desselben (Mail. 1815); die vorher nur unvollständig bekannte Rede des Isäus cüber die Erbschaft des Kleonymosv (Mail. 1815) und eine Rede des Themistius (Mail. 1816); sodann Excerpte aus den „Röm. Altertümerno des Dionysius von Halikarnaß(Mail.1816); ein«Itinerarium Alexandriv und die Schrift des Julius Valerius Res gestae Alexandrin (Mail. 1817; Frankf. 1818). Diese und noch andere bis dahin ungedruckte Schriften teilte er aus der Ambrosianischen Bibliothek mit. Hierauf setzte er seit 1819 seine handschriftlichen und insbesondere palimpsestischen Studien zu Rom in der vatikanischen Bibliothek fort, deren bedeutendste Frucht das Werk des Cicero De republicas (Rom 1822) war. Außerdem verdankt man ihm mehrere Sammlungen von alten, noch unbekannten Schriften, sowie eine Menge anderer litterarischer Beiträge in den Auctores classici e Vaticanis codicibus editio (10 Bde., Rom 1828—38), in der „Scriptorum veterum nova collectio e Vaticanis codicibus editad (10 Bde., Rom 1825 — 38) und in dem 4Spicilegium Romanumo (10 Bde., Rom 1839—44). Das letzte der Sammelwerke, in welchem er seine Funde veröffentlichte, war die Nora patrum bibliothecas (Bd. 1—6, Rom 1852—53).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 354Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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