Mälaga, Hauptstadt der zum span. Königreich Granada gehörigen Provinz M. (7313 qkm mit 1883] 519911 E.), eine Ciudad von (1884) 113426 E., Handels- und Hafenstadt ersten Ranges, Waffenplatz, Station der Eisenbahn Cordova-M., Sitz eines Bischofs und eines Handelsgerichts, liegt reizend im Hintergrunde einer schönen Bai, an der Mündung des Guadalmedina, am Rande einer paradiesischen Vega (Ebene), sowie am Fuße eines steilen Felsenhügels, welcher die noch jetzt als Citadelle dienende Feste Gibralfaro aus dem 13. Jahrh. trägt, dem letzten Vorsprunge des hier 600 manschwellenden Hügellandes, das die Küste 60 km weit ostwärts umfaßt und auf dessen Thonschiefer der berühmte Mälagawein gebaut wird. Das Klima gehört zu den schönsten und gleichmäßigsten in Europa. Die Stadt ist uneben und hat in ihren ältern Teilen im Nordosten winkelige, finstere Gassen und alte Häuser. Dagegen zeichnen sich die neuern Teile im Westen durch gerade Straßen und moderne, mitunter prächtige Gebäude aus. Außer dem Dom besitzt M. vier Pfarr⸗ und drei andere Kirchen, viele Kapellen, sechs Spitäler, ein Findel- und zwei Waisenhäuser, ein Gefängnis, mehrere Kasernen, zwei Theater und einen Cirkus für Stiergefechte. Auch gibt es hier gute Gasthöfe, elegante Cafés und Kaufläden. Auf dem Riegoplatze steht das Denkmal des General Torrijos, und längs des Lais zieht sich der schöne Paseo de la Alameda hin. Die merkwürdigsten Gebäude sind die Kathedrale, 1528 begonnen und im 18. Jahrh. vollendet, mit einem 74 m hohen, in einer Kuppel endigenden Glockenturme; ferner der bischöfl. Palast, das Douanengebäude am Hafen; von dem neuen östl. Molo, welcher 1024 mlang werden soll, sind 1882 die ersten 256 mbeendet worden. M. ist eine durchaus blühende Stadt, die sich immer mehr entwickelt. Außer einer Menge Gerbereien, Hutfabriken, Seiden⸗ und Wollwebereien, Färbereien gibt es große Eisengießereien mit Maschinenfabriken, Baumwoll- und Linnengarnspinnereien, Fabriken für Chemikalien, Seifenfabriken, zwei Zuckerfabriken u. s. w. M. ist ferner nächst Barcelona jetzt der wichtigste Hafen⸗ und Seehandelsplatz Spaniens, mit Handelskammer, Bank und sehr bedeutendem Handel. Der Hafen kann über 400 Schiffe fassen und ist durch einen großartigen Molo gegen Stürme, den Südwest ausgenommen, geschützt, 1877 liefen 3076 Schiffe von 622250 t ein. Die kommerzielle Bedeutung und der Reichtum M.s beruhen vorzugsweise auf dem Exporthandel und dieser wieder auf dem Überflusse an Südfrüchten aller Art, Wein, Ol u. s. w., den Erzeugnissen der nähern und weitern Umgebungen der Stadt. Namentlich ist der Anbau des Zuckerrohrs in der Provinz M. sehr gestiegen. Auch wird über M. ein großer Teil der Produkte von Granada, Cordova und Jaen exportiert. Die Trauben der ausgedehnten Weinberge von M. werden sowohl frisch ausgeführt als zur Rosinenfabrikation und zum Weinkeltern benutzt. Die geschätztesten Sorten der Mälagaweine sind: 1) der Seco oder Mälaga Xerez; 2) der Blanco dulce (Lacrima), der Weiße Süßwein; 3) der Dulce del color, der braune süße Sekt, welcher, zum Teil durch Mischungen und Zusätze fabriziert, unter dem Allgemeinnamen (Mälagay in den Handel kommt; und 4) der Tierno oder Pedro KXimenez, ein Liqueurwein aus gewelkten Trauben. Die Produktion an Wein ist in dem Bezirk M. nicht groß und die Hochgewächse sind teuer; was daher zu billigem Preise als Malagawein ausgeboten wird, ist verfälscht. Die jährliche Produktion beträgt im Durchschnitt 90000 Arroben (à 12,5 )); trotzdem werden über 200000 Arroben Malagawein aus Spanien ausgeführt, ein Beweis, daß der wenigste davon aus den Weinbergen des Axarquia (so heißt das Weingebirge von M.) stammt. Bedeutend ist auch der Export an Feigen, Mandeln, Orangen, Citronen, gedörrten Pflaumen, Oliven, Orangeschalen, konservierten Früchten und Blei. Dagegen ist die Slausfuhr, zumal in schlechten Jahren, sehr gering. Eingeführt werden Kohlen, Eisen, Stahlwaren, Klippfisch, Bretter, Stäbe, Baumwolle, Petroleum, Kaffee u. s. w. Die Malaguesos gelten als Leute von Weltsitte, die Frauen sind wegen ihrer Schönheit und Grazie berühmt. Für Unterricht und Bildung ist ziemlich gut gesorgt. Außer den gewöhnlichen Schulen und Colegios gibt es ein Instituto, ein Seminar, eine nautische Schule, ein litterarisches Museum, eine Philharmonische, eine Skonomische Gesellschaft und andere Vereine. Das alte Malaca, welches die Phönizier angelegt, war schon zur Römerzeit ein bedeutender Handelsplatz. Im 5. Jahrh. war die Stadt nach einander in den Händen der Vandalen, Sueven und Westgoten, 534—624 oströmisch. Im J. 711 wurde es von den Mauren erobert und diesen erst von Ferdinand dem Katholischen 1487 wieder entrissen. Etwa 25 km im Osten der Hauptstadt liegt Vélez-Malaga, Ciudad mit 24332 E. und einem maurischen Felsenkastell, links vom Rio Velez, an dessen Mündung der Hafen Torre de Mar liegt, und am Rande einer reizenden Vega, in der Zuckerrohr, Bataten und Baumwolle gedeihen.