FeedMandeln oder Tonsillen
HeilkundeBrockhaus 1882

Mandeln oder Tonsillen (Tonsillae, Amygdalae), zwei ovale drüsige Körper, welche im hintern Teil der Mundhöhle rechts und links zwischen dem vordern und dem hintern Gaumenbogen liegen und beim Schlingen durch ihr abgesondertes Sekret den Racheneingang schlüpfrig machen. Jede M. besteht aus zahlreichen Schleimbälgen oder Follikeln und faltigen Einstülpungen der Rachenschleimhaut und zeigt an ihrer Oberfläche 12—15 rundliche oder ovale offnungen, welche in taschenartige, von Schleimhaut überkleidete Räume führen. Ihren Namen haben die Tonsillen von ihrer Ahnlichkeit mit der Schale einer Mandelfrucht. Die M. erkranken außerordentlich häufig, indem sie teils durch harte Bissen, teils durch hitzige und scharfe Dinge beim Hinabschlucken gereizt, teils unmittelbar (bei kaltem Trinken), teils mittelbar der Erkältung sehr ausgesetzt sind; letzteres namentlich bei Erkühlen der Haut am Halse. Die gewöhnlichste dieser Krankheiten ist die Mandelentzündung (Amygdalitis), bekannt als Mandelbräune, geschwollene Mandeln, welche leicht in erstickungdrohende Verschwellung der Luftwege am Halse, oder in Eiterung (Mandelabsceß), oder in langjährige Verhärtung (Mandelhypertrophie) übergeht und in allen drei Fällen zuweilen ein operatives Verfahren notwendig macht. Im übrigen besteht die Behandlung der Mandelentzündung in Ruhe, kühlen Umschlägen, Verschlucken von Eispillen, lindernden Gurgelwassern, später wohl auch Bepinseln mit Metallsalzen. Vergrößerung der M. macht die Sprache näselnd, sogar lallend, erschwert das Atmen, namentlich im Schlafe, hindert die Entwickelung der Nasenhöhle, bewirkt manchmal auch durch Druck auf die innern Gehörgänge (tubae Eustachii) Schwerhörigkeit und unterhält eine stete Krankheitsanlage am Halse. Man bestreicht die M. mit Höllenstein oder mit „Jodlösung, oder man schneidet ein Stück der M. heraus (Tonsillotomie), was gänzlich ungefährlich und schmerzlos ist. Die Diphtheritis (s. d.) befällt sehr häufig vorzugsweise die M., weshalb diese Krankheit auch den Namen bösartige Mandelbräune führt. Oft entstehen nach wiederholter chronischer Entzündung der M. die sog. Mandelsteine, kleine, unregelmäßig geformte kalkige Konkremente, die sich durch Zurückhaltung und Eindickung des Sekrets in den taschenförmigen Buchten der M. bilden, aber ohne alle üble Bedeutung sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 402Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6