Mandschu oder Mandschuren, ein Hauptzweig des turanischen Volksstamms der Tungusen (s. d.), ursprünglich Bewohner der Mandschurei e (f. d.), seit 1644 Beherrscher von China, treten dessen Geschichte schon sehr früh, seit 925, als Unter⸗( thanen des großen Reichs der Khitanen auf, wur-n den damals von den Chinesen Ju-tsche oder Niu-tsche, von den Mongolen, Türken und Persern Dschurdschi oder Tschurtschi (bei Marco Polo Giorza) genannt und wohnten als Nomadenvolk zwischen dem Amur im Norden und Sungari im Westen. Die M. empörten sich 1114 gegen die Khitanen. Ihr Häuptling Aguta (Okota) ließ sich 1115 zum Kaiser ausrufen, gab seiner Dynastie den Namen Kin (Gold), eroberte das ganze, das östl. Mittelasien umfassende Khitanenreich und starb 1123. Seine Nachfolger eroberten 1125 einen großen Teil Chinas mit der Hauptstadt Jenking (dem jetzigen Peking), die sie Tschungtu, d. h. Kaiserstadt der Mitte, nannten. Die Mongolen fielen jedoch von der Dynastie Kin ab; Dschingis-Chan machte seit 1205 wiederholte Plünderungszüge in das Reich derselben und eroberte 1215 sogar Jenking. Seine Nachfolger machten 1234 dem Reiche völlig ein Ende, nachdem die Dynastie Kin unter neun Souveränen 108 Jahre geherrscht. Die Niu-tsche wanderten aus China aus und fanden in Liaotong (Leaotung), einem Erblande der chines. Dynastie, Aufnahme. Mehrere Jahrhunderte später erscheinen sie jedoch unter dem nach Ursprung und Bedeutung unbekannten Namen M. oder Mantschu aufs neue in China. Ihr Fürst Taitsu, dessen Geschlecht auf einen wunderbar erzeugten Stammvater Aischin Gioro zurückgeführt wird, tritt als Kriegsheld, Gesetzgeber und Erfinder der mandschur. Schrift auf. Er hatte im ersten Viertel des 17. Jahrh. viele unabhängige Stämme der Tungusen unterworfen, die sich als M. zu einem Volke vereinigten und schnell ihre Herrschaft über alle Länder von der Grenze Chinas bis zum Amurstrom ausdehnten. Taitsu kündigte nun der chines. Dynastie Ming 1616 den Gehorsam auf, und sein Nachfolger Taitsong führte bereits den Titel des Gebieters des Mittelreichs. Endlose Wirren im Reiche der Ming beförderten die ehrgeizigen Pläne derselben. Sie eroberten 1644 Peking und nach langem, blutigem Kampfe ganz China (s. d.). Die M. zeichnen sich vor den andern Stämmen der Tungusen durch schönen Körperbau aus, sind rauh und schmutzig, doch ehrlich und 1⸗ In der Mandschurei treiben sie nur in den südl. Gegenden Ackerbau und Gewerbe, in dem bei weitem größern nördl. Teile leben sie als nomadisierende Hirten, Jäger und Fischer. Die mit der Dynastie nach China übergesiedelten, einen Teil des Beam-⸗ ten⸗, sowie den größern des Militärstandes bildenden M. haben die chines. Civilisation angenommen. Sie haben seit mehr als 200 Jahren, wo ihre Sprache die Hofsprache in China wurde, eine Litteratur gegründet, indem die Kaiser eine Reihe chines. und tibetan. (buddhistischer) Werke in das