Manes oder Mani (lat. Manichaeus) heißt der Stifter eines orient. Religionssystems, über dessen Leben die Nachrichten sich widersprechen. Nach den orient. Quellen (besonders dem Fihrist des En-Nedim, Scharastani und al-Biruni) war M. 215/½216 zu Mardinu in Babylonien geboren; der Sohn eines nach Babylonien ausgewanderten Persers Fatak (grch. Patekios) und faßte den Entschluß, den heimatlichen Parsismus mit dem altbabylonischen Volksglauben zu verschmelzen und unter Aufnahme buddhistischer und christl. Elemente zu einer universellen Weltreligion zu erheben. Um auch die Christen zu gewinnen, gab er sich bei ihnen für den von Christus bei Johannes verheißenen Parakleten aus. Am 20. März 242 trat er zuerst in der pers. Latte ben als Gesandter des wahren Gottesv auf, hatte aber anfangs wenig Erfolg und sah sich zu längern Reisen nach Indien und Turkestan genötigt, während seine Schüler im Norden und Osten des Persischen Reichs seine Lehre ausbreiteten. Zurückgekehrt, wußte er dem König Shapur (Sapores) I. hungernon so zu imponieren, daß dieser seinen Anängern Religionsfreiheit gewährte. Später wurde er jedoch auf Betreiben der Feuerpriester gefangen gesetzt, unter Hormuzd, dem Nachfolger Shapurs, wieder befreit, aber von dessen Nachfolger, Bahram I., gekreuzigt und geschunden (276277). Von diesen Angaben weichen die der abendländ.⸗griech. Quellen, besonders der Acta disputationis Manetis et Archelais wesentlich ab, sind aber unzuverlässig. (S. Manichäer.) Vgl. Flügel, «Mani, seine Lehren und seine Schriftend (Lpz. 1862); Keßler, Mani oder Beiträge zur Kenntnis der Religionsmischung im Semitismuso (Bd. 1, Lpz. 1882).