FeedDarius I.
GeschichteBrockhaus 1882

Darius I., Sohn des Hystaspes (Bistägpa) und Großvetter des Cyrus, gehört zu den größten Fürsten des alten Orients. Die von griech. Schriftstellern, besonders von Herodot, überlieferten Nachrichten ber seine Regierung haben in jüngster Zeit durch die dreisprachige Inschrift von Bisutun (s. d.) Bestätigung, Berichtigung und vielfache Vervollständigung erfahren. D., geb. 550, war erst 29 J. alt, als ein Pseudosmerdis, ein Magier, Namens Gamates, den Thron Persiens während der Abwesenheit des Kambyses in Agypten eingenommen hatte (Aug. 522 v. Chr.), der, wie D. selbst berichtet, die von Cyrus neu eingeführte Ormuzdreligion und die alt-arischen Gesetze vernichten wollte. Dieser wahrscheinlich zu Gunsten einer medischen Restauration unternommenen Umwälzung machte D. dadurch ein Ende, daß er, von sechs vornehmen Persern, Intaphernes, Otanes, Hydarnes, Megabyzus. Gobryas und Ardymanes, begleitet, den Magier in der Feste +ν in Medien (nicht wie Herodot sagt, in Susa) .— (April 521). Der Bericht des Herodot, daß D. nur deshalb König .½½ weil bei einer am Morgen nach jener hat verabredeten Zusammenkunft der sieben Verschworenen sein Pferd zuerst gewiehert habe, scheint auf einer im pers. Volke verbreiteten Sage zu beruhen. Der Magier war in allen Teilen des Reichs, außer in Persien selbst, sehr beliebt gewesen, und so benutzten fast alle Provinzen den Thronwechsel, um ihre alte Unabhängigkeit wieder zu erlangen. D. selbst sagt aus, daß er erst 9 Gegenkönige in 19 großen Schlachten besiegen mußte, ehe er seine Herrschaft über das Reich gesichert habe. Zuerst erhoben 2 Babuione und das kaum vor 16 Jahren eroberte Babylon unter Nidintabel, der sich für den zweiten Sohn des Nabonid, Nebukadnezar, ausgab. D., von Medien herbeieilend, schlug diesen in sechs Tagen zweimal am Tigris und am Euphrat (Dez. 521), schloß ihn dann in Babylon ein, welches erst nach 20monatlicher Belagerung (Aug. 519) enommen werden konnte; und noch beinahe ein ahr lang wurde D. dort zurückgehalten (bis Mai 518). Während dieser Anr waren in vielen eroberten Ländern, sogar in Agypten, Empörungen ausebrochen. Ein Abkömmling des alten medischen Königshauses Phraortes, der sich Xathrites nannte, machte D. Medien, Armenien und Assyrien streitig, schlug während zweier Jahre drei Feldherren des D., Hydarnes, Dadarsis und Omises, aus dem Felde und konnte erst durch D. selbst (Juni 518) niedergeworfen werden, worauf er für seine Empörung in Ekbatana gemartert und gekreuzigt wurde. Für eine medische Herrschaft hatten sich auch Hyrkanien und die Sagarter erklärt, die unterworfen wurden, während zu gleicher Zeit Hosdates (altpers. Vahyazdata) die wirkliche Herrschaft in Persien an sich riß, indem auch er sich für den eigentlichen Smerdis ausgab. Er wurde freilich bald in Persis geschlagen (518), aber seine Heere, die Arachosien und die Ostprovinzen zur Empörung verleitet hatten, konnten erst 517 zur Ruhe gebracht werden. Ein neuer Aufruhr in Babylon unter Arakha wurde durch D.' Feldherrn, einen Meder %% . bald erstickt. Nachdem auf diese Weise D. das Reich des Cyrus wiederum hergestellt, zog er 513 mit 700000 Mann über eine Brücke, die über den Bosporus, und eine andere, die über die Donau geschlagen ward, gegen die Skythen, die ihn durch verstellte Flucht tief in ihr unwirtbares Land bis an den Oarus (die Wolga) verlockten, sodaß er nur mit großem Verlust den Rückzug bewerkstelligte. Megabyzus, den er mit 80000 Mann in Thrazien zurückließ, unterwarf dieses Land. D. selbst dagegen ging nach Asien zurück, wo er im J. 510 seine Herrschaft im Osten bis zum Indus ausdehnte. Die Unterstützung, welche Athener und Eretrier den ion. Städten gewährten, als diese das vers-Joch abwarfen, und ihre Teilnahme an der Verbrennung von Sardes veranlaßten den D., der auch durch den vertriebenen Athener Hippias aufgereizt ward, zu gewaltigen Unternehmungen gegen Griechenland. Nach der Eroberung von Milet und der Unterwerfung der Jonier sendete er 495 den Mardonius mit einem Heere nach Thrazien und Macedonien gegen Griechenland; zugleich wurde eine Flotte ausgeschickt. Aber diese ward bei dem Vorgebirge Athos durch den Sturm zerstört und ant dez und Mardonius sah sich durch den Verlust, den er im Kampfe mit den Brygen, einem thrazischen Stamme, erlitten hatte, zur Rückkehr nach Asien bewogen. Als hierauf die Herolde, durch die D. die Griechen zur Unterwerfung auffordern ließ, von den Athenern und Spartanern mit Schimpf zurückgewiesen worden, sandte D. 490 ein neues Heer unter Datis und Artaphernes mit 600 Schiffen aus. Naxos wurde erobert, die übrien Cykladen unterwarfen sich, Delos, die heilige Insel, wurde verschont, Eretria auf Euböa, nachdem es durch Verrat gefallen, zerstört; doch durch den Sieg der Athener bei Marathon unter Miltiades über das pers. Heer ward D.' Unternehmen bvernichtet. Bei den Rüstungen zu einem neuen Nagr gegen Griechenland und das wieder empörte Igypten ereilte ihn 485 der Tod. Um die innere Organisation des Persischen Reichs hatte sich D. die größten Verdienste erworben. Er hatte im Persischen Reiche große Bauten vorgenommen, Persepolis größtenteils gebaut und auch den Isthmus von Suez zu durchstechen versucht. Selbst die Agypter ehrten ihn als ihren sechsten Gesetzgeber. In der Regierung folgte ihm der älteste seiner während seiner Regierung geborenen Söhne, Kerxes (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 881Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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