FeedFleischer (Heinr. Leberecht)
ReligionBrockhaus 1882

Fleischer (Heinr. Leberecht), ausgezeichneter Orientalist, geb. zu Schandau an der Elbe 21. Febr. 1801, besuchte von 1814 an das Gymnasium zu Bautzen und studierte seit 1819 in Leipzig Theologie. Schon frühzeitig hatte er Neigung zu dem Studium der orient. Sprachen gefaßt, das er in Leipzig fortsetzte. Darauf ging er 1824 nach Paris, um dort de Sacys mündlichen Unterricht zu genießen und die reichen handschristlichen Schätze der königl. Bibliothek zu benutzen; auch machte er unter Caussin de Perceval dem Jüngern einen Kursus im Neuarabischen und verkehrte später, um sich darin zu vervollkommnen, mit den von Mehemed-Ali zum Behuf ihrer Ausbildung nach Paris gesandten jungen Agyptern. Im Herbst 1828 kehrte er von Paris zurück und erhielt 1831 eine Anstellung an der Kreuzschule zu Dresden. Schon stand er 1835 im Begriff, nach Petersburg zu gehen, wo ihm die Professur des Persischen an der Universität und die Stelle eines Adjunkts der Akademie für morgenländ. Altertümer und Litteratur übertragen worden war, als er den Ruf zu der durch Rosenmüllers Tod erledigten Professur der orient. Sprachen in Leipzig erhielt, die er annahm und der er auch treu blieb, als ihm 1860 die neu begründete Professur der arab., pers. und türk. Sprache zu Berlin angetragen wurde. F. gilt für den gelehrtesten und gründlichsten Kenner des Arabischen in Deutschland. Unter seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind besonders hervorzuheben: die Ausgabe von Abulfedas 4Historia ante-islamica (mit lat. Übersetzung, Lpz. 1831), die von Beidhawis wichtigem Kommentar zum Koran (Lpz. 1844—48), sowie die von Alis hundert Sprüche, arabisch und persisch paraphrasiert von Watwat (Lpz. 1837); ferner die übersetzung von Samachscharis «Goldenen Halsbändern» (Epz. 1835), die einen mehrjährigen litterarischen Streit mit Hammer-Purgstall veranlaßte; die Fortsetzung der durch Habichts Tod unterbrochenen Ausgabe des arab. Originals der TausendundeineNachte; die Herausgabe der Kataloge der orient. Handschriften auf der königl. Bibliothek zu Dresden (Lpz. 1831) und der arab., pers. und türk. Handschriften auf der Stadtbibliothek zu Leipzig (in dem Cataloguso von Naumann, Grimma 1840); die deutsche Bearbeitung von Mirza Mohammed Ibrahims „(Grammar of the Persian languages (Lpz. 1847; 2. Aufl. als «Grammatik der lebenden persischen Sprachen, Lpz. 1875). Zahlreiche wertvolle Beiträge lieferte er zur Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaftv, an deren Begründung er sich lebhaft beteiligte, sowie zu den „Siungsberichten » der sächs. Gesellschaft der Wissenschaften. Auch viele Arbeiten seiner Schüler und Freunde haben kritische Beiträge, Berichtigungen und Zusätze von ihm erhalten, wie Levys „Neuhebr. und chaldäisches Wörterbuch über die Talmudim und Midraschimo (3 Bde., Lpz. 1875 fg.) und die von Mühlau und Volk besorgte achte und neunte Auflage von Gesenius' 4Hebr. und chaldäischem Handwörterbuch' (Lpz. 1878 u. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 890Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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