Manipel (lat. manipulus), breites Band, welches über den linken Vorderarm des messelesenden Priesters gehängt wird; ursprünglich Nastuch. „Manipulation (lat.), kunstgerechte Handhabung, jede Verrichtung mit der Hand, wozu Geschicklichkeit notwendig ist; auch allgemein soviel wie Verfahren, Geschäftskniff; manipulieren, M. vornehmen. „Manipulus, eine Unterabteilung der röm. Legion (s. d.), welche deren 30 hatte (3 auf jede der 10 Kohorten); der M. zerfiel in zwei Centurien. Manissa, das alte Magnesia (s. d.), Stadt im asiat.⸗türk. Vilajet Aidin, Hauptort des Sandschaks Saruchan, links am Gedis-Tschal oder Sarabat (Hermos der Alten), Station (1 Km vom Orte) der 169 kmnlangen, 1864 begonnenen, 1873 vollendeten Eisenbahn Smyrna Alaschehr (Eigentum einer engl. Gesellschaft), zählt etwa 60000 E., darunter 13000 Griechen, 6000 Armenier und 3000 Juden. M. liegt dicht am Nordfuße des Manissa-Dagh (dem Sipylus der Alten), hat über 20 Moscheen, eine armen., drei griech. Kirchen, vier Synagogen, den Palast Kara Osmän Oglu und mehrere andere ansehnliche öffentliche Gebäude aus den Zeiten Murads II. (gest. 1451) und Murads III. (1574—95), ist Sitz eines griech. Bischofs. Auf einem Hügel vor der Stadt befinden sich die Ruinen einer Akropolis aus röm. Zeit. Das fruchtbare Umland im Hermusthale wird hauptsächlich zum Anbau von Baumwolle, Weizen, Wein und Tabak benutzt. Ein Teil der gewonnenen Baumwolle wird in M. selbst von den Türken und Armeniern zu einem Gewebe verarbeitet, das bis nach Konstantinopel und dem Kaukasus geht. Daneben sind, wie in den meisten Stapelplätzen Kleinasiens, viele Menschen mit der Fabrikation von Packsätteln für Pferde, Esel, Maultiere und Kamele beschäftigt. M., 1204—55 Sitz des Johannes Dukas, seit 1313 des Seldschuken Saru-Chan und Hauptort einer von diesem gestifteten Herrschaft, fiel 1398 in die Hände der Osmanen und war vor der Eroberung Konstantinopels (1453) abwechselnd mit Brussa Residenz der türk. Sultane, besonders Murads II., der in der Hauptmoschee M.s bestattet ist. Später war die Stadt Sitz mächtiger Feudalherren, namentlich der Familie Kara Osman Oglu, der Fürsten von Karamanien, deren Macht erst Mahmud II. 1822 brach.