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PflanzenreichBrockhaus 1882

Manna nennt man verschiedene süß schmeckende Pflanzensäfte, die bei Verwundung der Rinde älterer Stämme oder junger Zweige und Knospen ausfließen und an der Luft eintrocknen. Am bekanntesten ist die von der sog. Rannaesche (Fraxinus Ornus) stammende M. Sie ist blaßgelb, durchscheinend, klebrig und von sehr reinem Geschmack. Sie kommt in verschiedener Form in den Handel. Man unterscheidet gewöhnlich Röhrenmanna (Manna cannellata), gemeine M. in Stücken (Manna in fragmentis), M. in Massen oder dicke M. (Manna crassa). Die Röhrenmanna gilt als die beste Sorte, sie wird durch Einschnitte in die Rinde während der Sommermonate gewonnen, der Saft fließt in diese rinnenartigen Verwundungen hinein und erhärtet hier zu röhren-oder plattenartigen Gebilden. Auch durch den Stich einer Cikade (Cicada Orni) wird ein Ausfließen des Saftes bewirkt, der dann zu kleinen Körnern eintrocknet und als Thränenmanna bezeichnet wird. (Vgl. Esche.) Die Manna der Israeliten, welche sie in der arab. Wüste genossen, soll nach einigen Forschern von einem in Arabien und hauptsächlich am Sinai häufig wachsenden Strauche, Tamarix mannikera, herstammen; doch ist es viel wahrscheinlicher, daß diese in der Bibel erwähnte M. nichts anderes war als die in den Wüstengegenden Nordafrikas und Kleinasiens häufige Mannaflechte (Sphaerothallia esculenta), die ziemlich lose dem Boden aufliegt und durch Wind häufig in großen Massen fortgeführt und zusammengeweht wird. (Vgl. Sphaerothallia) Die von Tamarix mannifeéra stammende M. fließt aus den jungen Zweigen dieser Pflanze aus und zwar infolge des Stichs der Manna-Schildlaus (Coccus manniparus), der ausgeflossene Saft trocknet in Körnern ein und Donß dann auf den Boden herab. Sie hat einen honigähnlichen Geschmack und wird von den Arabern auf Brot gestrichen als Leckerbissen gegessen. Von den Mönchen am Sinai wird diese Manna während der Monate Juni und Juli gesammelt und von denselben gegen hohe Preise an die Sinaipilger als die M. der Bibel verkauft. (Vgl. Tamarix.) Außer den genannten Sorten gibt es noch einige andere, die ebenfalls als M. bezeichnet werden, so die Manna von Briançgon (Manna laricina), die in Südeuropa aus den Nadeln der Lärche (Larix europaea) ausschwitzt und ähnlich wie die von der Mannaesche stammende früher als Abführmittel gebraucht wurde; ferner die neuholländische oder australische Manna, die aus der Rinde der jungen Zweige und der Blätter von Eucalyptus mannifera ausfließt und zu schuppenartigen Gebilden eintrocknet; sie wirkt ebenfalls gelind abführend und dient den Eingeborenen zur Nahrung, auch bereiten sie daraus ein beliebtes Getränk. Die persische Manna stammt von einer Pflanze aus der Familie der Leguminosen, von dem Alhagistrauch oder echten Mannaklee, der in Syrien und Persien vorkommt und während des Tags einen Saft ausschwitzt, welcher zu roten Körnern eintrocknet und gesammelt wird. Die persische M. dient im Orient als Nahrungsmittel und auch als leicht abführendes Heilmittel. In den meisten Mannasorten findet sich eine auch in andern Pflanzen nicht felten vorkommende Zuckerart, der sog. Mannit (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 413Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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